Freitag, 7. Oktober 2016

Keine Pointe

Wie verknallt ich gerade bin, kann sich hier wahrscheinlich niemand vorstellen. Ist aber so. Ganz schlimm und ganz extrem. Die männliche Person hat es mir tatsächlich richtig angetan. Und das, obwohl ich nicht weiß, ob er handwerklich begabt ist. Denn was soll ich bitte mit einem Mann, der eine Hilti weniger zu schätzen weiß als ich. Tendenziell wäre das der direkte Weg auf das Abstellgleis für einen Mann, der mich umgarnt. Wenn man nicht in der Lage ist einen Nagel in die Wand zu schlagen, steckt man auch bei mir nichts rein. Ist nun einmal so. Was für andere die Haarfarbe oder das Alter ist, ist bei mir die Fähigkeit in Fliesen zu bohren oder Zement anzumischen.
Jedoch ist mir das bei der männlichen Person super egal. Es stellt sich in meinem Kopf gar nicht die Frage, ob er das kann oder nicht. Ich wende bei ihm gar keine Filter an, da er mich mit seiner eigenen Art so begeistert. Da ist es mir völlig egal, dass er einen lächerlichen Zweitnamen hat oder über ein Jahr jünger ist. Ich mag den.

Und weil er mich auch zu mögen scheint, hatten wir unser erstes Date. Wir trafen uns Sonntags morgens um halb 6 in der Stadtmitte. Ich hatte ein Sixpack Früh dabei, er sein breites Grinsen. "Lass uns einfach mal geradeaus fahren!", sagte er. Für mich war das der perfekte Plan, denn spontane Dates sind mir lieber als spießig und hübsch gemacht im fancy Restaurant zu sitzen. Hauptsache die Gespräche sind gut.

Wir wollten auf die Burg in einem kleinen mittelalterlichen Dorf. Dort parkten wir auf dem Parkplatz, rauchten und machten uns ein Bier auf. Also ich machte das Bier auf. Emanzipation und so. Die Gespräche waren lustig und ernst zugleich. Es lag diese klassische Spannung in der Luft, die einen umgibt, wenn man sich unbedingt näher kommen will aber nicht genau weiß wie.

Tja und dann war plötzlich die Batterie des Autos leer.

Für ihn war das ein riesen Abfucker, denn er musste mit dem Firmenwagen zwei Tage später auf Lehrgang fahren. Für mich war das noch perfekter als eh schon. Lachend saß ich auf dem Beifahrersitz und bekam mich gar nicht mehr ein.
Wir liefen dann eine halbe Stunde zum nächsten Bahnhof, um zu meinem Auto zu kommen. Die Sonne ging so langsam auf und das Tal war bedeckt mit Nebel. Wie ein altes Rentnerpärchen wanderten wir durch die Dörfer. Nur halt mit einem Kölsch in der Hand, morgens um 20 vor neun. Das Überbrücken funktionierte schließlich zwar nicht auf Anhieb, aber ein bisschen zubbeln und wackeln und der Motor machte endlich ein gesundes, energiegeladenes Geräusch.

Am Schluss küsste er mich. Auf den Mund. Keine Pointe.




Freitag, 30. September 2016

Date - Substantiv (das)

Es ist alles eine Frage des Geldes. Oder in meinem Fall immer nur eine Frage der Definition.
Schließlich gibt es zwischen einem "beziehungsähnlichen Konstrukt" und einer Beziehung gravierende Unterschiede.
Wie Ihr aber alle wisst, bin ich dort natürlich noch nicht angekommen mit der männlichen Person, denn bei uns lautet der Beziehungsstatus noch "es ist kompliziert". 
Der nächste Schritt in unserer kleinen Romantik Odyssee ist das erste Date. Ganz abgesehen davon, dass ich keine Ahnung habe wie man sich bei einem ersten Date adäquat verhält (ich hörte mal sollte bestenfalls nicht furzen), bin ich mir noch nicht mal sicher, wann es sich genau um ein Date handelt.
Schließlich ist auch das eine Frage der Definition. 
Angenommen ich ginge mit der männlichen Person einen Kaffee trinken, mitten am Tag, wenn es noch hell ist. Handelt es sich dann um ein Date?
Angenommen ich ginge mit der männlichen Person ein Bier trinken, am Abend, wenn es schon dunkel ist. Handelt es sich dann zwangsläufig um ein Date?
Ist ein Date überhaupt abhängig von der Getränkeauswahl? Was ist, wenn ich gar nichts trinke. Oder nur Wasser.


























Wenn ein Date aus diversen Gründen nicht erlaubt ist (nein, wir sind beide Single), wo fängt ein Date an und wo hört ein zwangloses Treffen auf?
Gibt es zwischen Männern und Frauen überhaupt zwanglose Treffen und ist es ein zwangloses Treffen, wenn einer von ihnen die ganze Zeit daran denkt, wie die andere Person wohl küssen kann? Und was ist, wenn ich schon weiß, wie die männliche Person küssen kann, ist dann Hopfen und Malz schon verloren?
Hallo Herr Wikipedia? Hilfe!


Montag, 26. September 2016

Was machste?

Nach Monate langer emotionaler Abstinenz ist es schon wieder passiert. Diese Schockverliebtheit. Diese Vernarrtheit in eine Vorstellung, die man im Kopf hat und die man all zu gerne ausleben würde. Leider ist das Problem dabei, dass immer zwei dazu gehören. In meinem Fall eine männliche Person und leider auch nun mal ich, was das ganze komplizierter macht als eigentlich nötig.
Diese männliche Person mag ich ziemlich gerne. Er ist süß und witzig. Er geht über das normale "Hi wie geht's" und "Dein Profil gefällt mir" hinaus. Das kann zum einen an seiner Person liegen, zum anderen aber auch daran, dass wir uns aus dem Reallife kennen. 
Im Club haben wir uns großartig verstanden und dann kam die Hürde der Technik plötzlich hinzu. Wir schreiben nämlich. Beim Messenger. Da liegt ja schon der erste Fehler. Aber gut, ich bin zunächst mal dankbar, Herr Zuckerberg, dass diese zauberhafte Verbindung möglich ist. 

Natürlich habe ich keinen blassen Schimmer, ob mich die männliche Person mag oder nicht. Zwar texten wir schon den ganzen Tag hin und her aber zu etwas führen scheint mir diese Schreiberei nicht. Dennoch grinse ich jedes Mal bis hinten gegen, wenn eine Nachricht von ihm kommt. Auch wenn es nur die plumpe Informationsüberbringung ist, dass er gerade ein Mettbrötchen gegessen hat. Mett ist geil, wir verstehen uns. 

Bis zu einer kleinen Frage, die mich jetzt seit 10 Minuten wahnsinnig werden lässt: "Was machste?" 

Ich dachte eigentlich, seitdem kein Mensch mehr ICQ benutzt ist diese Frage grundsätzlich ausgestorben. Aber nein. Die männliche Person haut sie einfach so raus. Abends um halb 11. Was soll man da bitte auch drauf antworten? 

Möglichkeit 1: Die Wahrheit 
Ich liege ohne Hose und ohne rasierte Beine mit einer Asipalme im Bett, esse die Chips, die schon seit einer Woche in meinem Bett liegen und überlege, ob ich nach der Party am Samstag vielleicht mal staubsaugen sollte, während ich Pokemon Go spiele, weil meine Wohnung ein Pokestop ist. - Wäre vielleicht nicht so klug. 

Möglichkeit 2: Netflix. 
Ja Netflix. Thema beendet. Was soll sich aus Netflix auch bitte für ein Gespräch entwickeln. Zwei Sätze zu dem, was ich gucke und schon zirpen wieder die Grillen. - Super! 

Möglichkeit 3: Lügen. 
Ich kann mir natürlich auch eine super coole Story ausdenken. Man ahnt es ja nicht, was ich abends um halb 11 alles zu tun habe. Nachdem ich mit Elyas M'Barek und Mariah Carey ein Bier trinken war, hab eben noch ein Stilleben fertig gemalt und mache mich jetzt mal auf zur professionellen Zahnreinigung. - Ziemlich glaubwürdig. 

Möglichkeit 4: Und sonst so? 
Schließlich habe ich mich für Möglichkeit Nummer 4 entschieden. Die Frage habe ich ganz kurz und lässig beantwortet und mich dann dem öden "Und sonst so? Was geht heute Abend?" hingegeben. Dieses Chatten habe ich wirklich drauf. 

Wenn ich Euch bei Chattschwierigkeiten helfen kann, schreibt einfach eine Mail an Helen@ICQflirtprogamer.de. Der nächste Blogpost dreht sich dann um folgendes Thema: Wie gewinne ich am besten bei Slidealama. 


Gute Nacht! 

Montag, 23. Mai 2016

May I introduce: Bonnie Pedersen

Sollte mich jemand von Euch mal beim Feiern treffen, tut es mir wahnsinnig leid, dass ich Euch direkt zu beginn anlügen werde. Denn ich stelle mich auf Partys oder im Club niemals mit meinem richtigen Namen vor. Besoffenen Menschen an der Bar kurz vor einem Gespräch über das letzte DFB Pokal Finale, das zusätzlich von lauten Bässen beschallt wird, meine Persönlichkeit zu offenbaren, unnötig. Was soll ich denen denn erzählen, dass ich Helen heiße, 24 bin, tendenziell sexuell frustriert bin, aber gerne masturbiere und mein erstes Karnevalskostüm eine Mini Maus war? Meinen Namen merkt er sich doch eh nicht.

Es fing alles mit der Diskussion an, dass Männer von erfolgreichen Frauen eingeschüchtert sind. Wenn mich zum Beispiel ein Abteilungsleiter eines Baumarktes anspricht und mich fragt, was ich beruflich mache und ich ihm beispielsweise sage, ich studiere Medizin, kommt das nicht gut an. Von Wochenende zu Wochenende wechselte ich also meine Jobs. Von Zahnarzthelferin über Friseurin zu CEO einer Internetfirma; ich hatte jede Woche eine andere Passion, die ich versuchte, glaubhaft rüber zubringen. Um ganz ehrlich zu sein, machte es mir Spaß eine Maske um mich rum zu brauen und diese mit blumigen Details auszuschmücken. Nur wenn mir eine Person wirklich gefiel, verriet ich ihr meinen richtigen Namen.
So kam es, dass ich über die Jahre ein allumfassendes Feier Ego entwickelte, welches ich Euch nun exclusiv vorstellen werde.

Mein Name ist Bonnie. Komischer Name wird der ein oder andere sagen, worauf ich antworte: "Meine Eltern haben früher viel gekifft, deshalb heiße ich so". Pedersen mit Nachnamen, weil mein Uropa aus Dänemark stammt. Damit habe ich leider nichts mehr zu tun. Aber einen Satz kann ich noch: På med vanten! Was so viel heißt wie: Ran an den Speck!
Ganz passend, weil mein asiatisches Sternzeichen auch Schwein ist. Mein deutsches Widder. Das bedeutet, ich habe im März Geburtstag. Am 22, um genau zu sein.


Beruflich habe ich mich vor 4 Jahren erst richtig gefunden, nachdem ich erst einmal ein Medizinstudium angefangen hatte, wurde mir bewusst, dass das Helfen anderer Menschen ja ganz toll ist, mich kreativ aber nicht richtig befriedigt. Deshalb lernte ich Grafik Design mit der Spezialisierung auf elektronische Medien. Als ich dann mit 24 bei einem Start-Up anfing, einem Online Shop für Mode, der zufällig durch die Decke ging, wurde ich durch eine Menge Arbeit und sehr wenig Schlaf zum Art Director des ganzen Bums. Kaffee ist seitdem mein bester Freund, ebenso mein kleiner Stressball. Er ist lila, hat ein Gesicht und drei kleine Wollfäden als Haare. Ich bin froh, dass es ihn gibt.
Wegen meines Jobs habe ich auch immer einen Block und einen Bleistift dabei, falls mir mal eine Idee kommt.
Aber genug von Arbeit.


Ich bin laktoseintolerant und allergisch gegen Nüsse. Meine kleine Schwester Lola sagte früher immer allergerisch, was ich heute gerne auch noch tue. Das ist objektiv gesehen eine echte Arschkarte. Toffifee sind nämlich tabu, genau wie Milchshakes.
Meine Lieblingsfarbe ist Blau. Aber kein krasses Blau sondern eher eine Art Taubenblau. Das mag ich, weil es nicht so aufdringlich ist. Und auch, weil die Farben Schwarz und Weiß mit reingemischt sind. Die Vorstellung finde ich ganz schön. Deshalb habe ich auch neulich meine Küche in dieser Farbe gestrichen. Viele sagen, die Wand sieht jetzt etwas dreckig und beschmutzt aus, aber ich mag den Industriestil auch.
Wenn ich ein Hobby haben muss, dann ist das Tennis. Aber nur weil ich keine Lust hab, dem Klischee zu entsprechen und als Kölner Südstädtler Golf zu spielen. Und weil man so herrlich auf den Ball dreschen kann, wenn der Tag mal wieder scheiße war.
Den Begriff "Scheiße" habe ich mir übrigens abgewöhnt. Meine beste Freundin hat nämlich vor einem Jahr ein Kind bekommen. Obwohl Leonard ganz lässig ist, musste ich mir das Fluchen in seiner Gegenwart abgewöhnen. Fand ich auch eine ganz tolle Sache.
Aber genug von mir. Wie geht's Euch denn so?



Dienstag, 10. Mai 2016

Das Stalk Disaster

Bei diesem Post habe ich das Gefühl, ich sollte mich vorab entschuldigen, weil ich lange nicht mehr geschrieben habe.
Sorry. Es gab von mir leider keinen Hass zu sharen, weil ich kurzzeitig dachte, ich sei verliebt. Aber keine Sorge. Die schmierige Raupe habe ich schnell wieder ausgekotzt, bevor sie zu einem Schmetterling werden konnte. Um wen es hier geht? Natürlich um Max, dem 1,98 m kleinen, leidenschaftlichen Geschichtenerzähler, der von seinem Daddy zwar den vollen Haarwuchs aber auch die Rot-Grün Schwäche geerbt hatte. Wenn er den Kopf nicht beim Fußballspielen frei bekam, nahm er den Bleistift in die Hand. Ich mochte ihn. Auch, weil er mich witzig fand.

Er: Du bist witzig.
Ich: Das ist das Schönste, was man mir sagen kann.
Er: Dann bist Du jetzt direkt verliebt?
Ich: Das kommt auf Deine Einstellung zu mintgrünen skinny Jeans an.

Er trug immer eine Dunkelblaue. Auch als wir uns das erste Mal bei der offiziellen Schnick Schnack Schnuck Weltmeisterschaft begegneten.
Leichtsinnig hatte er mich zu einem Duell in der Vorrunde rausgefordert und ich hatte ihn majestätisch besiegt.
Er: Ganz ehrlich, das war nur Glück. Da brauchst Du Dir gar nichts drauf einbilden.
Ich: Ganz ehrlich, Du bist der schlechteste Spieler der Welt.
Er: Bier?
Ich: Bier.

Für mich war das Romantik. Selbstverständlich nicht, wie sie im Buche steht, aber meiner Meinung nach so, wie sie im Buche stehen sollte. Beim Anstoßen stellten wir uns vor:
Er: Max.
Ich: Helen.
Er: Hi.
Ich: Wie gehts?
Er: Was machst Du so?
Ich: Und sonst so?

Eindeutig waren wir humorkompatibel und, wie sich später herausstellte, waren wir auch kusskompatibel.
Wir waren mittwochs im Kino gewesen und hatten uns einen Film in Originalsprache angeschaut. Während des Films musste ich so dringend pinkeln, dass mir beinahe alles abgestorben wäre und weil mich der Film eh nicht so ansprach, konnte ich ruhigen Gewissens den Saal verlassen. Wie ich da so meinem Strahl der Erlösung freien Lauf ließ, kam mir die grandiose Idee, die ich heute immer noch für grandios empfinde, flott noch eine Rauchen zu gehen. Als der Glimmstängel noch nicht ganz zu Ende gebrannt war, kam ein Schwarm von Kinobesuchern aus dem Gebäude und diskutierte angeregt den Film. Auch Max kam heraus und auch er wollte sofort ein angeregtes Gespräch über den Film führen. Doch da ich das Ende ja ganz offensichtlich verpasst hatte, wurde daraus nichts, was ihn tierisch aufregte. Er drückte mir das Popcorn mit der Käsesoße beleidigt in die Hand.

Er: Boah Helen. Was gehe ich denn bitte mit Dir ins Kino, wenn Du den Film noch nicht mal zu Ende guckst?
Ich: Entschuldigung, ich musste Lulu.
Er: Ist doch gar nicht wahr. Du hast Dir eine Kippe angemacht. Ohne das Ende gesehen zu haben, kannst Du den Film doch gar nicht beurteilen. Es war so gut und so unvorhergesehen, weil.....

Da hörte ich schon gar nicht mehr zu. Meine Gedanken schweiften ab. Dahin, dass ich diesen Mann großartig fand. Normalerweise war ich immer diejenige gewesen, die über Serien und Filme philosophiert. Doch jetzt hatte ich jemanden an meiner Seite, der ebenso viel darüber sprach wie ich. Das machte mich fröhlich. Seine wilde Gestik machte mich fröhlich. Es machte mich fröhlich, dass es mich fröhlich machte.
Ich küsste ihn. Er hörte auf zu plappern, legte den Arm um mich und wir gingen wortlos die Straße entlang.


Letzten Samstag passierte dann das unvorstellbar Peinliche. Ich sah ihn in der Stadt mit einem anderen Mädchen. Sie war süß, klein und blond. Verena, wie ich später herausfand. Verena war seine Freundin, wie ich später herausfand. So stand es zumindest bei Facebook, wie ich später herausfand. Verunsichert, mit wem er durch die Stadt laufen könnte, stalkte ich ihn nämlich auf sämtlichen Social Media Kanälen, die ich zuvor gefastet hatte.  Apps vom Handy gelöscht und versucht eine Zeit lang, ohne den Online Mist auszukommen, Da es mich aber irritierte, wer dieses Mädchen war, musste ich mir mal ein Bild von seiner Präsenz im Internet machen.
Bei meinem Glück und meiner unvorstellbaren Menschenkenntnis war klar, dass ich mir jemanden aussuchte, an dem irgendetwas nicht stimmte.
In einer Beziehung mit Ve Rena.
Ja vielen Dank. Tschüss, schönes Leben noch! Lösch' meine Nummer.
Es machte mich wütend, dass er mich anlog. Es machte mich wütend, dass er eine Freundin hatte. Es machte mich wütend, dass es mich wütend machte. Dachte ich.


Was ich dann machte, war noch viel dümmer als ihm vertraut zu haben. Denn ich wollte mir noch einmal seine Freundin und ihn auf dem Profilbild anschauen. Und wie sich das so mit diesen Smartphones gehört, tippt man zweimal auf den Bildschirm. Leider begriff ich aber nicht, dass Safari anders funktioniert als die Facebook App. Anstatt es zu vergrößern, markierte ich ausversehen jemandem auf dem Bild, und zwar niemanden geringeren als mich selbst. Ich markierte mich selbst auf seinem Profilbild. Völlig unabsichtlich. Einfach so. Ohne die Möglichkeit zu haben, es rückgängig zu machen. Ja, was soll ich sagen.

Komisch, dass ich seither nichts mehr von ihm gehört habe.


Sonntag, 10. April 2016

Ich bin Nora Tschirner aus Zweiohrküken!

Deine Brüste sind nicht mehr ganz so straff, wie sie früher einmal waren. Nicht mehr so wie zu den Zeiten, als das erste Mal ein pubertierender Schlunzi aus der coolen 10c Softpetting mit Dir machen durfte. Doch auch wenn Du näher an der 30 als an den 18 bist, juckt Dich das Altern nicht wirklich. Schließlich schaust Du Dir jeden Tag selbst im Spiegel bei diesem Prozess zu und verlierst die reflektierte Sichtweise auf den körperlichen Verfall. Ich persönlich sehe das ja nicht so eng, da ich mich grundsätzlich freue, älter und ernster genommen zu werden. Für alle die Jenigen, die immer wieder an die gute alte Zeit zurückdenken, in der es noch so unbeschwert und lustig war und man selbst im Tubetop ohne Achselspeckröllchen noch sexy war, ein kleiner Tipp: Geht nicht in "angesagte"  Clubs, in denen Du Dir selbst mit 24 alt vorkommst!
Ist mir nämlich passiert, dieser Anfängerfehler.

Feiern in einem Club, ein anderer Club, ein hipperer Club. Ne Moment, hipp sagt man nicht mehr. Ein famer Club, der Ultra gehypt wird. Ich muss meine Sprache kurz anpassen.
Dass der Türsteher mich nach meinem Ausweis fragte, fand ich schmeichelhaft. Doch als ich weitere Schritte in die Lokation hinein machte und es dunkler und stickiger wurde, kam mir die Ausweiskontrolle lächerlich vor. Wohl kein Expresschecker der Security Mann. Auch wenn der Bass bei über hundert Dezibel ablenkend hätte sein können, hätte an dem Abend Ray Charles gesehen, dass ich weit über dem Altersdurchschnitt der gamsigen Menge auf dem Floor war.
Kein Problem für mich. Schließlich kann man den Bitches ja mal zeigen, wie as fuck gefeiert wird. Doch sich richtig zu alken und dabei ordentlich abzugehen, war für die junge Zielgruppe dieses Ladens keine Option. Discopumper und Tinderellas  händelten das "Feiern" auf ihre eigene Weise. Trend scheint nun zu sein, schicke Selfies für Instagram zu machen (#fun #party #lastnight ) und bloß abzuchecken, wer an dem Abend mega bambus aussieht und wer sich die Klamotten aus dem letzten DagiBee Shopping Haul gekauft hat. Um Interaktion und Spaß ging es keinem einzigen von den Leuten. Oh. Außer es gab Bitchfight, dann wurde aber ganz ordentlich interagiert. Mit Kratzen und Pitschen.
Versteht mich nicht falsch: Hier geht es nicht um Alpha Kevins. Einige von den Teenies schreiben bestimmt gerade ihr Abitur. In diesem Club schien jedoch eine andere Welt überhandzunehmen.
Auch was das Styling betraf.
Vor der Tür stand ein Junge mit Rucksack. Für mich sind Rücksäcke im Club ja eher hinderlich, aber wer weiß schon genau, wo der Boy gerade herkam. So komisch ich guckte, so guckte auch der Türsteher.

"Machst Du mal bitte den Rucksack auf!" 
"Der ist leer", antwortete der Junge. 
"Warum nimmst Du den dann mit?", fragte der Türsteher irritiert. 

Da wusste der über Achtzehnjährige nichts mehr zu sagen. Aber ich würde es in dieser kleinen Geschichte nicht anbringen, wenn dem Türsteher und mir in dieser Ratlosigkeit niemand eine Antwort gegeben hätte. Es mischte sich nämlich sichtlich genervt ein Mädel ein, die ungelogen folgenden Satz sagte:

"Ey man, das ist sein Style!"



























Fuck Digger. Der Typ nimmt ernsthaft einen Rucksack mit in einen Club, weil der zum Outfit gehört? Sami Slimani, was hast Du Dieser Welt mit Deiner Modekollektion nur angetan? Bist Du es alleine schuld, dass Männer plötzlich "Style" haben, oder sind noch andere daran beteiligt? Männer sollen keinen Style zu haben. Die Klamotten müssen gut sitzen und farblich angemessen sein. Mintgrün geht halt gar nicht und blau und schwarz zusammen auch nicht. Ende der Regeln. Von welchem trendigen Instagramchannel hat dieser junge Typ bitte die Aufforderung erhalten, einen leeren Rucksack mit in den Club zu nehmen? Stell Dir mal vor, ich hätte früher meinen LEEREN 4You mit in die Disco genommen? Da hätten mich doch alle zum Mobbingopfer erklärt.

*kurze Entspannungspause - mein Puls hält das nicht aus!

Nach dieser unfassbar lustigen Situation hätte ich mich nicht gewundert, wenn im Club die Titelmusik von den Geissens gelaufen wäre. Das hätte das Niveau zusätzlich noch ein wenig unterstützt. Aber anstatt dessen lief die ganze Zeit irgendein deeper Hip Hop, in dem jedes zweite Wort entweder "work" oder "bitch" war. Gut, ich bezweifle, dass irgendjemand dort schon einmal persönlich erlebt hat, was diese Riehannnna oder dieser Doktor Dreh da besingen, aber es ist halt dope, wenn man Leute dazu auffordert, ihnen Geld zu geben.
"Bitch better have my money", habe ich auch immer zu meiner Mutter gesagt, wenn es um das Taschengeld ging. Natürlich.

Ich kam also weder optisch mit dem Publikum dort zusammen, noch musikalisch. Immer wieder hatte ich im Sinn, ob dieses ganze Getue dieser Menschen ansteckend ist. Am nächsten Tag würde ich dann dank einer Tröpfcheninfektion aufwachen und der festen Überzeugung sein, rote Adidas Superstars, eine schwarze High Waist Skinny Jeans und ein Crop Top wäre eine gute Kombination, um aus dem Haus zu gehen. Danke nein.
Während also alle Menschen, egal ob Mann oder Frau, mit ihren Strohhalm Getränken in der Gegend rumstanden (Was ist aus der Flasche Bier geworden? Seit wann bist Du cool nur, weil Du ein Getränk mit einem schwarzen Strohhalm trinkst), fing ich an, mich immer mehr mit Nora Tschirner in Zweiohrküken zu identifizieren. Die ganzen Mädels ohne Krähenfüße dafür mit Kleidergröße 34 auf der Mitte der Tanzfläche arrogant wie eh und je, ich an der Seite in Unterwäsche meiner Mutter und dem subtilen Wunsch, jemanden zu treffen, der eine ungefähre Ahnung hat, wie der Satz des Pythagoras lautet. Ich war Nora Tschirner. Hätte man mir eine Korsage angezogen und einen Seitenscheitel gemacht, hätten mich die kleinen Nutten auf der Tanzfläche wahrscheinlich noch nach einem Autogramm gefragt. So saß ich an der Seite, summte ein paar Lieder mit und machte mir Notizen für eben diesen Text.

Was ich daraus gelernt hab?
Es kommt nicht fucking drauf an, welchem Trend Du gerade hinterher jagst und auch nicht darauf, welches Getränk Du im Club in Dich reinschüttest. Ob Du auf der Tanzfläche das Girl bist, dass am meisten von rotzbesoffenen, triebgesteuerten Machos angegraben wird, ist völlig unwichtig. Männer, haltet Euch weiterhin Eure zerrissenen Skinny Jeans tragend an der Decke fest, wenn Ihr wollt, aber weit kommt Ihr damit auch nicht und nach Spaß sieht dieser Move auch nicht aus.
Eine schlaue Person sagte mal zu mir:

"Wenn ich mal scheiße aussehe, ungeschminkt bin oder meine Katzenjacke anhabe, denke ich mir einfach 'Dann überzeuge ich halt mit meiner netten Art'". 

So ist es Kinder. Chillt mal auf die Phase der Ekstase und Love yourself, wie dieser Justin Bieber sagen würde. Dann merkt man vielleicht mal, was Trend ist und was Du selbst bist.

*micdrop 





Mittwoch, 23. März 2016

Burn-Out off the Coolheitsskala

Man ahnt es ja nicht, wodurch sich manche Menschen definieren: Autos, ihre Bankkonten, Tattoos - wobei egal ist, ob sie schäbig sind oder nicht, und wie sollte es auch anders sein, durch ihren Beruf. Ich gehöre zu der letzten Kategorie. Wenn Menschen ihre Passion in ihrem Job finden, finde ich das eine ganz tolle Sache. Mein großes Lebensziel nebenbei erwähnt. Für mich wäre es das aller Größte, morgens aufzustehen und automatisch zu denken: "Geil. Es ist halb 6 und ich hab richtig Bock, auf die Arbeit zu gehen." So ganz ohne Ironie. Wenn aus halb 6 dann noch 10 Uhr 30 wird, noch besser. In seiner Tätigkeit aufzugehen und somit glücklich zu sein, macht es auch vollkommen irrelevant, was man beruflich macht. Früher hatte ich den heute nicht mehr nachvollziehbaren Berufswunsch, Müllmann, reitende Polizistin oder Notar zu werden. Damit wäre ich heute zwar total unglücklich, aber hey wem's gefällt.
Es wäre hier aber kein Hasssharing, wenn mir da nicht doch noch etwas auf den Sack gehen würde. In diesem Fall sind es Menschen, die ihren Job nur machen, um anderen Leuten zu imponieren. Personen, die nicht aus dem eigenen Antrieb heraus eine Laufbahn einschlagen, sondern nur um cool zu sein, kann ich gar nicht haben.

Mag ja sein, dass das eine Zeit lang gut geht, dass die Leute Dich feiern, weil Du "Irgendwas mit Medien" machst. Spätestens nach dem ersten Jahr gehst Du damit noch nur Dir und den Leuten in Deinem Umfeld auf die Nerven, weil Du immer wieder erklären musst, was Du da eigentlich genau machst. Kann einer Bankangestellten nicht passieren. Du musst aber immer wieder sagen, was Deine Aufgaben in der Redaktion eigentlich sind oder wozu ein Produktionskoordinator zuständig ist. Kann ja auch niemand einen genauen Plan von Deiner Tätigkeit haben -  am wenigsten Du selbst. Außerdem ist auch irgendwann das zwanzigste Selfie vom Set langweilig.
NICHT COOL!



Mit 17 macht es Deine halbe Stufe, mit 22 noch drei Leute aus Deinem Bekanntenkreis. In der Phase des Erwachsenwerdens wurde es irgendwann echt so richtig trendy, sich mit Musik zu beschäftigen und auf Partys selbst aufzulegen. Die Redundanz an neugeborenen "DJs" tat dem Coolnessfaktor keinen Abbruch. Allerdings sieht das einige Jahre später ganz anders aus. Wenn aus Dir nach all der Zeit, die Du Dich mit aufregenden Elektrobeats beschäftigt hast, noch kein David Ghetto geworden ist, ist das natürlich legitim. Auch dass Du noch nicht freiwillig taub geworden bist, bei all dem Lärm, kann als bemerkenswert angesehen werden. Aber entschuldige mich, wenn ich Dir sage, dass es einfach nicht cool ist, immer an Wochenenden und Special Occasions arbeiten zu müssen. Sich mit Mitte vierzig in irgendwelchen Kneipen die besoffenen Helene Fischer Wünsche reinziehen zu müssen, während nicht DJs am Wochenende auch einfach mal einen Ruhigen machen, kann man sich einfach sparen. So hip Du nun auch in Deiner Jugend hinter den Plattentellern warst, irgendwann bist Du einfach zu alt für den Scheiß.
NICHT COOL!



Zu alt für den Scheiß, bist Du übrigens auch irgendwann als Barkeeper. Entweder Dir gehört irgendwann die Bar oder es ist einfach nicht cool. Im Alter, in dem Du irgendwann Geräusche beim Aufstehen und Hinsetzen machst, solltest Du nicht mehr die Flasche schwingend Highlife hinter der Theke verkörpern. Das muss einem ja auch Selbst mal auffallen. Spätestens wenn Dir der 28. Kreisliga Fußballstar nach der Aufstiegsfeier auf die Theke reihert, sollte der Schalter im Kopf umlegen, der Dir klarmacht: Alter, nicht cool! An seinen Wochenenden mit lauter Anfang zwanzigjährigen abhängen, die auf ihre bestandene Hausarbeit im Modul B2 ihres Germanistikstudiums anstoßen, kann doch einfach nicht Dein Lebensinhalt sein. Koksen, weil man es eben gewohnt ist und Shots kippen, weil man es sonst nicht aushält. So sieht die Wahrheit Deines Berufes aus. Man mag Dich noch für Deine Lässigkeit hinter dem Tresen und Deinem gute Laune Potenzial feiern. Wenn das Highlight Deiner Woche aber irgendwann ist, Partyfotos auf Timelines von Menschen, die 20 Jahre jünger sind als Du, zu posten, merkst Du es selbst:
NICHT COOL!

Zu guter Letzt mein Hassberuf Nummer eins. Da ist es egal, ob man ihn macht, weil es einem Spaß macht oder wegen der Ausübung der Macht, die man dabei empfindet. "Ihr seid alles Fotzen", würde KIZ tendenziell singen, hätten sie die Gedanken, die ich empfinde, wenn ich über diese Berufsgruppe nachdenke.
Politessen.
Vielleicht bin ich durch das Erhalten von 19 Knöllchen alleine in diesem Jahr voreingenommen. Vielleicht bin ich es ja auch ein bisschen selber schuld.
Vielleicht bin ich auch die Dumme in dieser diffizilen Fragestellung von Recht und Unrecht. Aber für mich steht fest: Ihr seid nicht cool. Nicht cool Eure Blöcke. Nicht cool Eure Beweisfotos. Nicht cool Eure Uniform. Nicht cool eure Attitüde. Nicht cool, dass ihr niemals in der Lage seid, ein Auge zuzudrücken.
NICHT COOL!

Montag, 21. März 2016

You know what it means : Schnäppschätt!

Für alle unter Euch, die genauso fortschrittlich sind wie Daniel Düsentrieb und Snapchat haben: Freut Euch! Ab Dienstag, also morgen, setze ich mich dem ultimativen Snapchattest aus. Die Klassiker des Blogger Snappens werden aufgegriffen und angewendet. Also wer Bock hat mir beim Let it go Lip Sync Battle zu zu sehen, meine ootd zu bestaunen, vor Neid für meine Essensposts zu erblassen und generell in meine Welt im vierten Stock zu schnuppern:


Follow me on Schnäppschätt!


Mittwoch, 16. März 2016

Keine Eier in der Hose

"Jo Hendrik, gehen wir mal 'nen Kaffee trinken?"


Dieser Satz wird wahrscheinlich niemals über meine Lippen gehen. Dafür hab ich keine Eier in der Hose. Obwohl ich tatsächlich sehr gerne mal mit Hendrik Kaffee trinken gehen würde. Sehr sogar. Auch weil ich weiß, dass er Kaffee mag.
Wahrscheinlich ist es altmodisch, der Überzeugung zu sein, dass Männer die Frauen ansprechen müssen. Aber diese völlig veraltete Einstellung nehme ich gerne als Ausrede, dass ich mich nicht traue, einen Mann nach einem Date zu fragen.
"Was soll denn bitte passieren?" werden viele Leute jetzt empört fragen.
"Ich könnte sterben!" antworte ich.
Körbe zu bekommen ist niemals schön, nicht für den, der ihn gibt und noch weniger für den, der ihn bekommt. Außerdem wird auch immer gelogen, wenn ein Korb verteilt wird. So Dinge wie "Dein Hintern ist zu groß" oder "Sorry, du langweilst mich" oder "Dein Lachen geht mir jetzt schon hart auf die Nerven" wird ja niemals im Leben bei einem Korb ins Gesicht des fragenden geschmettert.
Es kommen eher so Ausreden wie "Ich bin im Moment nicht auf der Suche nach einer ernsthaften Beziehung" oder "Äh ich hab eine Freundin". Richtige Lüge. Wer am Anfang eines Satzes "Äh" sagt, lügt.
Nun sitz ich also alleine im Kaffee. Ohne Hendrik und kann leider kein Fazit dieses Textes formulieren, weil ich tatsächlich mal nichts aus meinen Gedanken gelernt hab. Any suggestions?

Donnerstag, 10. März 2016

Hier sollte ein super origineller Spruch stehen

Über Geschmack lässt sich streiten, aber hässlich ist hässlich.
Über Inneneinrichtung lässt sich ebenfalls streiten, aber Wandtattoos sind hässlich.
Wenn ich dran denke, fangen meine Augen sofort an zu tränen, um sich gegen das Bild vor meinem inneren Auge zu wehren.
Live, life, laugh, dance, like nobody's cappuccino latte watching home sweet let it go home.
Für mich ist das Kotzreiz auf der Wand ausgelebt. Einmal schön gegengebrochen.
Da krieg ich Hass.
Aber wie soll es auch anders sein, wenn 50% der Kaffeebohnen zeigenden Wandtattoos aus privaten Küchen aussehen, wie mein Muttermal unter der Achsel. Wenn man mich gewissenhaft entschädigt, kann man meinen Muttermal auch gerne haben und sich das ekelhafte Ding in die Küche hängen. Besser als die Klebescheiße.
Wie ich drauf komme?
Ich sitz in einem Kaffee und versuche mich zu konzentrieren. Grundsätzlich wäre das möglich, denn ich bin ausgeschlafen, habe gegessen und mein Nikotinspiegel ist befriedigt. Doch eine Sache steht dem im Weg:




Entschuldigung. Eine Frage: Warum? Was soll das bedeuten? Soll ich jetzt so lange hier rumsitzen bis der Frühling kommt? Ja super Idee. Schreibt sich dann auch meine Bachelorarbeit von alleine, wenn ich lange genug warte? Der Inneneinrichter hätte mal lieber still sitzen und nichts tun sollen. Alter! Hasslevel ganz oben. Ich muss jetzt erstmal nichts tun, damit ich von dem Berg meines Zorns wieder herunter komme.

Sonntag, 6. März 2016

Peter Pan die alte Arschkartoffel

Ich bin zu alt für Push-up Bhs, Ikea Möbel und schlecht lackierte Fingernägel. 

So die Theorie. Mit 24 wird es ja auch langsam mal Zeit, dass man sich der Realität stellt und schon mal überlegt, welche Faltencreme am besten zu seinem Hauttyp passt. Das heißt jetzt nicht, dass meine Wechseljahre nähern und ich mir Gedanken über mein Abtreten mache, aber  das Wort Altersversorgung könnte zumindest schon mal gefallen sein. Nebenbei. Ganz leise.
Wie gesagt: Das ist die Theorie.
In Wahrheit fand ich es gerade mega witzig, mir die Haare grau zu färben. Mal was Unerwartetes tun? Wieso auch nicht. Meine Handyhülle ist ein Bär mit überdimensional großen Ohren, den ich Jeremy Pascal getauft habe. Voll unpraktisch das Gerät, aber voll süß aber. Ich schlafe auf einem Kissen mit Eichhörnchen Aufdruck mit dem Namen "Pimmel". Tendenziell mag ich es eh voll, Dingen Namen zu geben. Darf ich vorstellen? Mein Mixer Gisberth.
Wenn auch Push-up Bhs nicht mehr in meinem Online Shopping Warenkorb liegen, trage ich dennoch jeden Tag Socken mit pinken Sternen und wenn ich keine zwei pinke mehr habe wird eben wild mit den weißen oder schwarzen kombiniert. Läuft doch.

Bis heute weiß ich immer noch nicht auswendig wie man interr...interes...interessan..interessann..wie man dieses eine Wort schreibt. Kann ich mir nicht merken, werde ich auch nie.
Wahrscheinlich sollte man außerdem als Erwachsener wissen, wie man seine Scheibenwischer austauscht und seine Steuererklärung macht. Leider nein. Das können auch Profis für mich machen.
Ich schaue mir immer noch einmal im Jahr die No Angels Casting DVD an, weil ich damals wie heute einfach übelster Fan bin. Jedes Mal, wenn Vany und Lucy weiterkommen, sitze ich klatschend und grinsend in meinem Bett und freue mich. So ist das eben.
All das heißt nicht, dass ich nicht erwachsen bin oder den Ernst des Lebens vor mir herschiebe, nein. Ich möchte mir einfach meine Verrücktheit behalten und nicht langweilig und spießig werden. Deshalb hoffe ich, dass mein Auto auch in 30 Jahren noch das unordentlichste der Straße ist und dass ich nach wie vor fluche wie die Sau.

Montag, 29. Februar 2016

Lüg' doch nicht!

Ich bin mit dem Gedanken aufgewachsen, dass meine Eltern immer Recht haben. Wieso hätte ich als kleiner Stöpsel auch die Autorität und Ehrlichkeit meiner Erzieher anzweifeln sollen. Tja, hätte ich mal im zarten Alter mein Köpfchen benutzt, wäre mir folgender Satz früher über die Lippen gekommen: Lüg' doch nicht!  Hier nun meine Top 5 der Lügen meiner Eltern:

"Vom Fernsehen bekommst Du viereckige Augen." 
Diesen Satz habe ich so unfassbar oft zu hören bekommen. Ich war damals Fan von "Die Nanny", "Friends" und irgendwann auch von Oliver Geissen. Mit dem Satz "Wenn Du zu viel Fernsehen guckst, bekommst Du viereckige Augen" versuchte mich meine Mutter, davon abzuhalten stundenlang vor der Glotze zu hocken. Um empirisch zu testen, ob meine Mutter nicht doch tatsächlich Recht hat, habe ich in den letzten zwei Tagen drei Staffeln Brooklyn 99 geguckt. Ich bin zwar nicht mehr weit von einer Thrombose entfernt aber meine Augen sind immer noch rund. Pff. Mama, lüg' doch nicht.

"Wenn Du Sprudelwasser trinkst, bekommt Dein Gehirn mehr Sauerstoff und Du kannst länger Fahrrad fahren." 
Ey Papa, lüg' doch nicht. Warum versetzen wir nicht das Meer mit Kohlensäure dann können wir alle unter Wasser atmen und niemand ertrinkt mehr. Gute Idee.

"Trinken" führt auch zur nächsten frechen Lüge meiner Eltern. Wenn ich Abends nach dem Abendbrot noch Hunger bekam, sagte meine Mutter immer:
"Trink was. Du denkst nur, dass du Hunger hast. Ein Glas Wasser, dann hört das auf." 
Ja danke schön Mama. Lüg doch nicht. Tüte Chips wäre jetzt ganz geil.

"Bis Du verheiratet bist, ist das wieder gut."
Mal ganz davon abgesehen, dass ich bisher noch nicht verheiratet bin, ist es bis jetzt immer noch nicht wieder gut. Ich weiß nämlich noch ganz genau, wie ich mich mit dem Bollerwagen überschlagen habe, mein Gesicht aufgeplatzt ist und der Arzt mir dann die Spritze ins Kinn gejagt hat. Nichts ist hier wieder gut. Hallöchen Narbe, sag ich da zu mir und Lüg' doch nicht zu meiner Mutter! Jetzt tut es doppelt weh. Zum einen die Erinnerung, zum anderen die Erkenntnis, dass ich einsam und alleine bin. Vielen Dank!

Die letzte Lüge kommt von meinem Opa. Er liebte Quark auf Volkornbrot - meine aboslute Hasskombination auch damals schon. Dazu hatte er folgende Theorie:
"Du musst Quark essen, dann kann man sau gut pfeifen!"
Lüg doch nicht, Opa. Wenn ich Fleischwurst oder Mett esse, kann ich genauso gut pfeifen, nämlich gar nicht. Haha, ich bin die einzige Person auf der Erde, die nicht pfeifen kann. Und das liegt nicht am Quark. 



Donnerstag, 18. Februar 2016

"Mit einem Wisch ist alles weg"

Na? Valentinstag vorbei und wieder nicht getraut, jemanden anzusprechen?

Tinder, Lovoo oder Elitepartner bieten einem die Möglichkeit niemanden mehr ansprechen zu müssen. Der Mut zur Überwindung auf eine fremde Person zuzugehen und mit einem Kompliment galant nach der Telefonnummer zu fragen ist spätestens seit den Dating-Apps nicht mehr notwendig. Mit dem Herausbringen dieser zunächst oberflächlichen Methode Menschen kennenzulernen und dem ersten "Wisch nach rechts oder links" ist Romantik völlig gestorben - finde ich. 
Dennoch habe ich mich selbst mit einem relativ gut getroffenen Profilbild der online Partnerwahl ausgesetzt. Mit Erfolg. Mit Erfolg entsetzt zu sein. Größtenteils. 

Auf die ersten Blicke war ich entsetzt darüber, welche Bilder Männer als Profilbild verwenden. Nur um das einmal zu erwähnen: Alles, was das potenzielle Date zu Gesicht bekommt, ist zunächst dieses eine Bild. Man könnte meinen, dass man sich von seiner besten Seite zeigen möchte, um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Könnte man meinen. 
Was ich persönlich ganz furchtbar finde, ist bei den Dating Apps Standard: mit Sonnenbrille, Spiegelselfies, in Poserstellung vor einer Protzkarre oder das klassische Oben-ohne Foto im Fitnessstudio. Mehr Klischee geht nicht. Aber vielleicht ist das nur meine Ansicht. Doch darüber hinaus geht es noch schlimmer. Ein junger Herr empfand es tatsächlich als gute Idee, ein Foto zu verwenden, auf dem er mit einer Bierflasche in der einen und einer aufgeblasenen Gummipuppe in der anderen Hand abgebildet war. Ich will ein Kind von ihm. Nicht. 

Das nächste Entsetzen kam innerhalb von 24 Stunden.  Denn über 1200 Menschen klickten bei mir auf das Herzchen und wurden so zu optionellen Liebespartnern. Hallo? Bin ich die Einzige hier, die das ekelhaft findet? Nicht einmal 5 % dieser Männer würden auf der Straße in aller Öffentlichkeit mit mir sprechen. Und nicht mal 1 % würde sich im Club nach mir umdrehen. Da bin ich mir sicher. Aber bei Tinder und Co scheint ja niemand so richtig hinzuschauen. Dort herrscht eher eine " Ja kann man mal machen" Mentalität. Bevor man sich also überhaupt mal das Profil anschaut, siegt der Automatismus in der Handbewegung. "Die ist nicht entstellt - Daumen nach rechts".

Doch auch hier endet meine stärker werdende Aggression verursacht durch blankes Entsetzen nicht. Schließlich kamen die vom Trieb gejagten Männer auf die Idee, mich anzuschreiben. Süß eigentlich. Leider waren die Worte, die folgten gar nicht mehr so süß. 
"Hey Baby alles klar?"
Ja, bis gerade war auch noch alles klar. Gespräch beendet. In einer Bar, beim Einkaufen oder auf der Arbeit spricht man den Gegenüber doch nicht so an. Warum sollte dieser Spruch bei Lovoo oder Tinder funktionieren?
"Du hast wunderschöne Augen. Das gefällt mir. Ich würde Dich gerne kennenlernen."
Copy- Paste - Gähn. 

"Stehst Du darauf massiert zu werden?", "Ich würde gerne mal an Deinen Füßen lecken" oder "Ich suche eine Freundin, die gerne Sex mit anderen Männern hat und mir dann davon erzählt"
Wait...What? Hab ich Nutte auf der Stirn stehen oder warum geht es hier plötzlich nur noch um Sex? Ist die plumpe Ficknachricht jetzt das neue "Tat es weh, als Du vom Himmel gefallen bist?" 

Mein Resumee nach 3 Wochen Lovoo und Tinder: 

Ich möchte das nicht. 
Vielleicht ist das ja ein wenig zu altmodisch gedacht, dass die erste Begegnung persönlich passieren sollte. In meiner Welt sollte Magie in der Luft liegen. Es sollte verrückt und unvorhergesehen sein. Höchstwahrscheinlich werde ich mich sogar dabei blamieren und rot anlaufen, wenn ich die Person treffe, mit der ich mir mein Bett in der Zukunft teile. Das mag altmodisch sein. Aber hey. Ich bin lieber von gestern als leicht zu haben. Mir gefällt ganz einfach die Vorstellung nicht, mich mit der Einstellung hinzusetzen: Jetzt lerne ich meinen Traummann kennen. Und weil er auf dem Foto nett aussieht und größer ist als 1,70 m ist er das auch.

 

Sonntag, 14. Februar 2016

Tankstellen Romantik

Eine Rose geschenkt bekommen, zu zweit romantisch essen gehen und anschließend Tatort gucken? 
Darauf kann ich verzichten. Die Sache mit dem Valentinstag hab ich sowieso noch nie verstanden. Im Grunde geht es doch darum, die Liebe in der Partnerschaft zu feiern. In der heutigen Zeit sieht das so aus, dass Mann Blumen besorgt, damit Frau ein Foto auf Facebook hochladen kann, um allen zu zeigen, wie glücklich die beiden sind. Happy Birthday. 
Aus meinem ansteigenden Aggressionspotenzial kann man deutlich entnehmen: Ich bin Single. Aber wäre ich es nicht, könnte man mich trotzdem nicht für den Tag begeistern. Denn wo die einen zwanghaft versuchen, sich an der Liebe zu erfreuen, um sich am Ende doch nur zu streiten, weil man es nicht gewohnt ist, Zeit zu zweit zu genießen, fühlt sich die andere Seite der Medaille doppelt so einsam. Das kann nicht gerecht sein. 

Es mag natürlich auch sein, dass es Paare gibt, die wirklich ihre Polly Pocket Beziehung führen und den Tag mit Schmetterlingen und Pralinen zubringen. Wäre halt irgendwie cool, wenn man das nicht jedem auf die Nase binden müsste.

Mein Valentinstag? Ganz entspannt: Zur Tanke fahren, sehen Mixery ist im Angebot. Das kann kein Zufall sein. Eine Schachtel Kippen kaufen mit der Begründung: Ich hab heute riesen Durst. Ein Lachen generieren bei dem armen Tankstellenverkäufer, der nicht nur Single ist, sondern auch noch arbeiten muss. Männer sehen, die auf den letzten Drücker Blumen an der Tankstelle besorgen. Zwei Stück. Mit Kind. Während deren Frauen am Ende so tun als würde sie sich freuen, weil sie merken, dass der schäbige Strauß nach Benzin riecht. Nach Hause fahren. Mit "The Fray" im Auto. Ein wenig Selbstmitleid verspüren. Ein Schluck Bier. Geht wieder. Darüber nachdenken, dass es besser ist, selbst mit einem Lüsterklemmenschraubenzieher umgehen zu können, als sich auf einen Mann zu verlassen. Alles wieder gut. 


Alles Liebe zum Valentinstag. 

Freitag, 5. Februar 2016

Ich hab Polizei

Eigentlich stehe ich nicht so auf Uniformen. Den Reiz dahinter verstehe ich schon, jedoch habe ich in den letzten Jahren meiner sexuellen Aktivität keine Neigung in diese Richtung entwickelt. Bis gestern.
Kölner Karneval, also eine legitime Eskalation, forderte seine Opfer. Entweder im Schlafzimmer, der leer gesoffenen Studentenwgs oder im Vollsuffkoma wo auch immer. Deshalb kam es auch dazu, dass ich plötzlich mutterseelenallein in der Kneipe stand und Freunde suchte. Bekannte wie unbekannte. Mein Erfolg war dabei mäßig. Ziel Nummer eins, einen witzigen Abend mit Freunden zu verbringen und unser Gruppenkostüm als Zirkusdirektorinnen mit Stolz und Charme auszuführen, war kläglich gescheitert. Der letzte Funke Gute Laune sollte noch etwa 15 Minuten halten, bevor ich frustriert nach Hause gehen wollte.
Also beschloss ich, Ziel zwei in die Tat umzusetzen: Verhaftet zu werden. Nur wollte ich natürlich nichts Schlimmes anstellen, um am Ende Handschellen angelegt zu bekommen - versteht sich. In meiner Misere, den Abend zu einem grandiosen Ende zu bringen, blieb mir lediglich eine Option: Nett fragen. Ein Moment der Peinlichkeit konnte keinesfalls entstehen, da ich ja eh schon lattenstramm war und die Schwelle des unangenehmen Gefühls nicht mehr zu spüren war.

"Hallo Jungs, ich habe ein Anliegen. Könnt Ihr mich verhaften?" 
Stille. Gefolgt von Gelächter.
"Wieso?"
"Das ist mein Ziel für heute Abend. Aber ich will nichts Schlimmes anstellen. Also könnt Ihr mir die Handschellen auf der Motorhaube anlegen und einer vielleicht ein Foto machen? Sonst glaubt mir das ja nachher keiner." 
"Ich frag mal den Chef."

Die Polizei dein Freund und Helfer. Motorhaube war wegen der ganzen feierwütigen Kaninchen, Piraten und sexy Krankenschwestern nicht möglich. Aber so durfte ich tatsächlich neben Schlagstöcken und Uniformen im Polizeiauto sitzen, während sich die Jungs darüber begeierten, dass mir einer von ihnen Handschellen anlegte.  Läuft bei mir.

Doch nicht nur mein Ziel Nummer Zwei wurde so erreicht, sondern auch Ziel Eins. Den Rest des Abends verbrachte ich mit den in voller Montur gekleideten Policemen. Wir quatschten über Maulwürfe, Polizistensöhne und hundert andere Themen. Verabredeten uns immer für den nächsten Treffpunkt, wenn die arbeitenden Männer den Standort wechseln mussten. Sie stalkten mich auf Facebook und ich lud sie zur Pinkelpause in meiner Wohnung ein. So eine verrückte wie auch lässige Situation habe ich lange nicht mehr erlebt. Gerade weil, die sonst so ernsten Beamten, mir nun auf einer freundschaftlichen Ebene begegneten und dabei gleichsam distanziert und verantwortungsbewusst blieben.
Als ich später mein Bier auf einem Stromkasten abstellte, um mir, auch das noch, eine Zigarette anzuzünden, passierte es. Ich stand mit fünf Polizisten im Kreis und redete fröhlich vor mich hin. Nachdem der Glimmstängel brannte und ich mich wieder zu meinem Bier umdrehte, war es weg. Während ich, um das noch einmal deutlich zu machen, mit fünf Polizisten im Dienst im Kreis stand, klaute mir jemand hinter meinem Rücken mein Bier. #andieserStelleeineBetonungspause. Da waren die Männer in Grün wohl doch nicht so verantwortungsbewusst. Dafür aber um so fürsorglicher. Eine gestrandete, alleingelassene Dompteurin wurde von den Uniformierten liebevoll aufgenommen und retteten somit ihren Abend. Seitdem habe ich Polizei und wünschte ich dürfte die Uniform mal mit nach Hause nehmen.

Samstag, 30. Januar 2016

Rasier' ich mir heute die Beine?

Rasier ich mir heute die Beine? 
Ehm nein, ich glaube nicht. 

Ganz ehrlich: Ich finde es ja selber tendenziell nicht so schön, Zentimeter lange Haare an den Beinen zu haben. Immerhin fühlt es sich ja nicht wie eine kuschelig weiche Mieze Katze an, sondern pikst eher wie ein Baby Kaktus. Zudem wachsen die Stoppeln so unregelmäßig, dass an der einen Stelle am Bein Flächen von dunklen Haaren stachelig vor sich hin gedeihen, direkt daneben nichts in Sicht. Man könnte es mit einer Wiese vergleichen. Leider sind die duftenden Grashalme zum größten Teil vertrocknet. Aber eben nur teilweise. 
Nun bin ich mir also mit mir selbst einig, dass der stechende Flaum an meinen Garzellenstampfern nicht angenehm zu tragen ist. Schön isset ja nu nich. Dennoch muss man anmerken, dass ich es meinem Körper nicht übel nehme, dass die Haare an den Beinen nun einmal vorhanden sind. Ich akzeptiere das durchaus. Jetzt stellt sich aber die Frage: Wenn ich das Kraut jetzt schon so lange wachsen lassen habe, dann will ich auch den perfekten Moment erwischen, um den Rasierer seines Amtes walten zu lassen und hier mal ordentlich Ordnung in den Garten zu bringen. Nur wann ist dieser Moment?

Heute ist Freitag. Pluspunkt für Mr. Venus. Ich geh heute Abend aus. Pluspunkt Nr. 2 für Mr. Venus. Aber wird heute Abend jemand in die Abgründe meiner nackten Präsenz eindringen und meine Beine berühren? Ich fürchte nicht, denn momentan habe ich weder einen Kerl am Start noch läuft tendenziell in diesem Club jemand herum, der unter 2 Promille hat.  Minuspunkt für Mr. Venus. 
Leider bringt mich dieser Art von Abwägung nicht zu einem Ergebnis. Denn Freitag und Feiern ist ebenso ausschlaggebend wie, dass niemand mit mir heute sexuelle Aktivitäten durchführen wird. 
Ich denke, ich muss ein wenig anders an die Sache herangehen. Pragmatischer.

Also ich war gestern Haare waschen und duschen. Das heißt, heute muss ich nur duschen. Wenn ich morgen früh Haare wasche und dusche, brauche ich mit Beine Rasieren wieder elendig lange. Ich würde sie dann wahrscheinlich eh wieder nicht rasieren, weil sich ein Zeitfenster verschiebt und ich unter Zeitdruck komme. Bis dann ein riesen Urwald an meinen Beinen herangewachsen ist und die Spinnen, Schlangen und Chamäleons aus meinen Hosenbeinen kriechen. Man würde mich in der ganzen Stadt Katzenlady für Reptilien schimpfen und mich mit Mistgabeln aus der Hood jagen. 
Okay. Ich rasier mir heute die Beine. Besser ist das. 
Aber was ist mit meiner Puschinka? 

Sonntag, 17. Januar 2016

Lass ma' ans Meer fahren!

Ich kann nicht mehr schlafen, ich kann nicht mehr essen, ich kann nicht aufhören zu lächeln. 
Die Schockverliebtheit hat erneut zugeschlagen. Big Time!
Unentwegt muss ich an diesen einen Mann denken, obwohl alles dagegen spricht. Dennoch schwirrt in meinem Kopf immer wieder sein hübscher Mund herum, der mich mit seinen völlig sinnlosen Witzen zum Lachen bringt. So sehr, wie es noch niemand zuvor geschafft hat. 
Immer wieder empfinde ich, dieses Innerliche im Kreis hüpfen, wenn ich daran denke, wie er mir ganz nah kommt und sich unsere Nasen berühren. Ganz selbstverständlich drücke ich die melancholischen Lieder aus meiner Lieblingsliederplaylist weiter, wenn, wie aus dem nichts, seine Augen, Hände und auch seine Michael Jackson Imitation aus dem Erinnerungszentrum meines Gehirns vorschlüpfen und erneut real werden. 

Das halte ich nicht aus! Erfolglos versuche ich diese mir jugendlich vorkommende Gefühlseskalation zu unterdrücken: "Beruhig dich mal Helen. Du bist keine 14" 

Vor wenigen Tagen habe ich noch von der Schockverliebtheit gesprochen. Mir war es wichtig, diese eigene Wortkreation zu erklären, um selbst auch zu verstehen, was da jedes Mal passiert in meinem kleinen verrückten Köpfchen. Und jetzt, wo es schon wieder passiert ist, verstehe ich es selbst nicht mehr. Vielleicht kann mir der ein oder andere hier ja erklären, wieso in mir drin die pubertierende Mittelstufen Elli wieder ausgebrochen ist. 
Deshalb nun, für alle, die noch nicht vor lauter Gesülzüberdosis kotzen gegangen sind, der Vorfall, der zu meinem Dilemma führte: 

Ort: Club Eingang 
Zeit: 23 Uhr 

Track: Sooft gefragt - Annen May Kantereit 


Die wild gewordenen Weiber sind schon wieder im Stammclub. Der Türsteher fragt, warum wir eigentlich noch keinen Schlüssel vom Laden haben, weil wir ihnen die Arbeit des Aufschließens abnehmen könnten, wenn wir eh immer da sind. Haha. 
Der Dj spielt unser Lieblingslied und trotz des ruhigen Songs ist unsere Stimmung großartig. Auch trotz meiner Alkoholpause, die ich immer mal wieder einlege, werde ich in den Sog der Partyszene inmitten der schwitzenden Leute hineingezogen und vorerst nicht mehr losgelassen. 

Ort: Club an der Theke 
Zeit: 0 Uhr 

Track: No Diggity - Blackstreet 


Ein paar Bekannte kommen dazu inklusive der Hauptperson dieses Dramas - Riko. 
Hallo und herzlich willkommen in dieser Erlebnisgastronomie. 

"Hey wie geht's Dir? Geht's Dir gut?" 

Er scheint sich also wirklich zu interessieren, wie es mir geht. 
Wir kommen ins Gespräch, was weder ihn noch mich wundert, da wir uns schon seit 3 Jahren kennen. Bisher hatte er immer eine Freundin und mein Exfreund war ein sehr guter Freund von ihm. Nach einigen abgegrasten Themen gibt er mir grinsend den Ehrentitel "sympathische Frau" und ich erwidere sein Interesse, indem ich ganz galant und - um das noch einmal klarzumachen - nüchtern seine Schulter berühre. 
Das hatte ich nämlich mal im Fernsehen gelernt, dass das ein klares Zeichen für einen Flirt ist. #flirtprogamer 
Er versteht es auch so und nimmt meine Hände und tanzt drauf los. Dazu lasse ich alte Dancing Queen mich nicht zweimal auffordern und schwinge ebenfalls meine Hüften. Mal tanzen wir Becken an Becken mal drehe ich eine Runde um ihn herum. Wir berühren uns, wir lachen und der Fotograf macht ein Bild.

Neeeeeeeeeeein! Das ist die erste Regel bei uns im Freundeskreis: bloß keine Fotos im Club, das kann nur peinlich werden! 

Und das müssen peinliche Bilder sein. Er steht mit seinem Körper in Richtung Kamera, hält meine Hände fest, mein Kopf hinter ihm stehend auf seiner Schulter. Lachend. So sehr lachend, wie man es sich nur vorstellen kann. In diesem Moment kam der Blitz der Kamera. Man kann es mit dem Gefühl vergleichen, wenn man mit 32kmh zu schnell durch die geschlossene Ortschaft fährt und zack der hinterlistig aufgestellte Blitzer erwischt einen. Unnötig! 
So hinterlistig machte auch der Fotograf seine Bilder. 
Tja Helen. Pech gehabt. Regel 1 gebrochen. 

Nachdem wir anschließend Händchen haltend in der Ecke standen und in der Gruppe dank Nichtraucherschutzgesetz vor der Tür rauchen waren, kam der nächste Höhepunkt in diesem Stück. 

Ort: Club Dancefloor 
Uhr: Viertel vor 3 
Lied: Purpartyhitmix 

Eine riesen Abneigung habe ich gegen dieses Lied. Nicht grundsätzlich kann ich bezeugen, denn mit 11 Jahren war ich auch schon einmal auf einem Pur Konzert. Aber dieser Remix ist so unnötig lang und mit den Jahren unfassbar totgehört. Zeit sich zu weigern zu tanzen. 
Pff, denkste. Riko hat ganz andere Pläne. Witze machend zieht er mich zu sich. "Da sag ich doch nicht Nein, wenn Du mich zum Tanzen aufforderst" - lacht er. 
Eins a Michael Jackson Imitation seinerseits- eins a Ballerina Künste meinerseits. Uns beiden ist wie gewohnt nichts peinlich, auch wenn all unsere Freunde zuschauen und der Fotograf weiterhin mit seinem Schnappschussgerät umher schleicht. 

Nach gefühlten 35 Minuten ist der ultimativ geile Hitmix dann auch mal vorbei. Gott sei Dank. 
Wir hangeln uns von Lied zu Lied und von Anekdote zu Anekdote. Ich lache die ganze Zeit über seine Geschichten. Es sei denn, wir hören der Musik zu, dann grinse ich. 
"Ich mag es, wenn Du über meine Witze lachst."

Ort: Club - Dancefloor - vor dem Dj Pult
Zeit: 4 Uhr 

Track: Hula Hoop - Omi 


Dass all unsere Freunde schon nach Hause gegangen sind, merken wir nicht. In unserem Liebeskasperfilm will uns vermutlich keiner stören. Bis auf zwei von ihnen, die knutschen selbst um die Ecke des Clubs rum. Unauffällig, damit es niemand merkt. 

Hula Hula Hoop- mit kreisenden Bewegungen kommen wir uns immer näher. Nase an Nase. Eine Stunde lang. Locker. 
Wir küssen uns nicht. Genießen nur den Moment kurz davor.
Warum? Vielleicht weil ich nüchtern bin, mein Exfreund sein guter Freund ist oder mir sein Beziehungsstatus nicht ganz klar ist oder weiß Gott, warum der Junge das nicht macht! 

"Ich will Euch knutschen sehen!" 
Dj Hugo ist heute ein ganz lustiger. 
"Jeder sollte jetzt seinen Kusspartner festhalten, denn hier ist gleich Feierabend"
grölt er ins Mikro. 

Ort: See 
Zeit: 6 Uhr 
Track: Prayer in C - Robin Schulz


Huch wie sind wir denn da gelandet? Erzähle ich Euch. 
Ich nüchtern. Ergo Fahrerin. Ergo ich bring die Bande nach Hause. Klar kommt da einer auf die Idee noch ein Feierabendbier zu trinken und klar hat da nichts mehr offen außer die Tanke um die Ecke. 
Aus dem Witz "Lass ma ans Meer fahren" wird der See, wo Riko und ich nun auf der einen und die zwei knutschenden Vögel auf der anderen Bank sitzen. 

Erinnert Ihr Euch an die ersten Mädchen und Jungspartys, wenn man ganz beschämt auf der kalten Ledercouch im Partykeller der Eltern sitzt, Cola trinkt und die neue Bravo Hits 95 hört, während die anderen schon Softpetting auf dem Sitzsack nebendran betreiben? So war's. 

Bis zu diesem Lied. Er küsst mich. Er kann küssen. Ach was sag ich? Riko ist ein großartiger Küsser. Wenig Zunge, weiche Lippen, sehr gefühlvoll. Bäm kusskompatibel. Als er seine Hand an mein Gesicht legt und über meinen Hals streicht, setzt mein nüchterner Verstand vollständig aus. Anstelle von Vernunft und Rationalität tritt die Schockverliebtheit. 
Wir reden über die Arbeit. Ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Er erzählt von den Streichen, die er seiner Arbeitskollegin spielt. Mir kommen die Tränen so sehr begeiere ich mich. 

Ort: mein Bett 
Zeit: halb 9

Track: Dont wait - Mapei 


Seither kann ich nicht mehr klar denken. Ständig blitzen Erinnerungen an sein Lachen auf. An die Musik, die uns an dem Abend begleitete. An die Sternschnuppe, die ich vor unserem Kuss am Himmel sah. An die Eiseskälte, die uns völlig egal war. 
Bei jeder einzelnen Erinnerung könnte ich heftigen Brechreiz kriegen. Diesen Kitsch und diese pseudo Romantik ertrage ich nicht. Und trotzdem klopft mein Herz, wenn ich mir selber diese Geschichte im Kopf erzähle. Immer und immer wieder. Ich fühle mich, obwohl ich es zu verhindern versuche, wie ein frisch verknallter Teenie.
Das muss aufhören!

Montag, 11. Januar 2016

"Ich bin eh nicht so gut mit Timings"

Einen Schwung Ehrlichkeit gibt’s heute.

„Ey lüg’ doch nicht!“

Ich kann mit dieser Zeit nicht wirklich. Entweder ich bin krass zu spät oder wesentlich zu früh.
Ich selber spiele das immer gerne herunter. Kann ja auch mal passieren, dass man 85 Minuten (ja hier handelt es sich um eine wahre Zeitangabe) zu spät zu einer Verabredung kommt. Wenn man keine exakte Zeit ausgemacht hat und sich bei jemandem zu Hause trifft, dann ist das jawohl nicht so tragisch. Derjenige ist dann ja schließlich auch zu Hause und steht nicht dumm am Bahnhof rum. Soll er halt Fernsehen oder die Spülmaschine ausräumen. Das heißt ja nicht, dass er parat an der Türklinke stehen muss, um abzuwarten, wann ich natürlich völlig abgehetzt auf dem Hof auflaufe.

Selbstverständlich mache ich das nicht extra. Es ist absolut keine Absicht von mir, zu spät zu kommen. Meine „Kommste heut nicht, kommste morgen“- Mentalität ist keinesfalls geplant. Meistens versuche ich auch, Termine und Verabredungen zeitlich zu strukturieren und baue sogar Zeitpuffer ein. Leider liegt meine Aufmerksamkeitsspanne nahe der eines Eichhörnchens, weshalb mir in diesen extra freigehaltenen Zeitfenstern immer noch wichtige Dinge einfallen, die erledigt werden müssen. Beispielsweise meine Lippenstifte nach Farbe und Haltbarkeit zu sortieren oder mein lang ersehntes Vorstellungsgespräch mit Jan Böhmermann zu üben. Stellen wir uns mal vor, der großartigste Satiriker und Moderator läuft mir zwischenzeitlich über den Weg und beschließt mit mir, ein alles veränderndes Jobinterview zu führen. Dann hab ich erstens keinen passenden Lippenstift drauf, weil ich an dem Wust an Gloss, Superstay und Lipbalm nichts finde und zum Zweiten bin ich gar nicht vorbereitet. Dagegen ist doch ein Wii Abend bei Freunden mal ganz ehrlich Nebensache. Das muss doch jeder nachvollziehen können.

Das ein oder andere Mal bin ich tatsächlich auch zu früh. Wird mir jetzt aus meinem Freunden und Bekanntenkreis niemand glauben, ist aber so. Ich beherrsche nämlich die große Kunst des Zeittotschlagens und lasse mir ganz spontan 45 Dinge einfallen, die ich vor Ort noch erledigen kann. Plötzlich kommt mir dann in den Sinn, dass ich noch eine Vase kaufen muss. Muss ich natürlich nicht, passt aber gerade. Das Problem hierbei ist aber, dass sich dann meine eingeplanten Zeitfenster so verschieben, dass ich dann doch zu spät komme.

Ganz schlimm sind allerdings die Fahrtwege bei dieser ganzen Planungsgeschichte. In meinem Zeitkontinuum funktionieren die nie, wie meine Vorstellungskraft und auch die Deutsche Bahn App sowie Google Maps es voraussagen. Es sollte Sondereinstellungen geben, die folgende Vorhersagen mit einplanen:

„Falls Sie sich mehr als 2x verfahren und oder die Haltestelle verpassen, zu weit fahren und zurücklaufen müssen, beträgt die Fahrtzeit 45 Minuten.“

BÄM! Damit kann man doch etwas anfangen.

Und die schamlose Wahrheit geht weiter.
An dieser Charaktereigenschaft meiner Person wird sich niemals etwas ändern. Zorry.
Es ist nicht so, als hätten ich oder mein Umfeld es nicht versucht. Mein Exfreund hat mir zwei Jahre in Folge Uhren zu Weihnachten geschenkt. Ich empfinde Armbanduhren jedoch als Belastung meines Handgelenks. Außerdem kann man sich auf die Dinger doch eh nie verlassen. Erfahrungsgemäß gehen Uhren eh immer falsch, die Batterien sind leer oder man hat vergessen, die Zeitumstellung zu beachten. Dann kommt man nämlich trotz Uhr mindestens eine Stunde zu spät. Da ist mir meine Handy Uhr lieber. Die ist wenigstens nicht so aufdringlich.
Wahrscheinlich hat mir der Tüppes damals eh nur sagen wollen, dass unsere Zeit abgelaufen ist.


Meine Zeit ist jetzt übrigens auch abgelaufen. Mein Zufrühkommfenster hat sich gerade verschoben.