Montag, 29. Februar 2016

Lüg' doch nicht!

Ich bin mit dem Gedanken aufgewachsen, dass meine Eltern immer Recht haben. Wieso hätte ich als kleiner Stöpsel auch die Autorität und Ehrlichkeit meiner Erzieher anzweifeln sollen. Tja, hätte ich mal im zarten Alter mein Köpfchen benutzt, wäre mir folgender Satz früher über die Lippen gekommen: Lüg' doch nicht!  Hier nun meine Top 5 der Lügen meiner Eltern:

"Vom Fernsehen bekommst Du viereckige Augen." 
Diesen Satz habe ich so unfassbar oft zu hören bekommen. Ich war damals Fan von "Die Nanny", "Friends" und irgendwann auch von Oliver Geissen. Mit dem Satz "Wenn Du zu viel Fernsehen guckst, bekommst Du viereckige Augen" versuchte mich meine Mutter, davon abzuhalten stundenlang vor der Glotze zu hocken. Um empirisch zu testen, ob meine Mutter nicht doch tatsächlich Recht hat, habe ich in den letzten zwei Tagen drei Staffeln Brooklyn 99 geguckt. Ich bin zwar nicht mehr weit von einer Thrombose entfernt aber meine Augen sind immer noch rund. Pff. Mama, lüg' doch nicht.

"Wenn Du Sprudelwasser trinkst, bekommt Dein Gehirn mehr Sauerstoff und Du kannst länger Fahrrad fahren." 
Ey Papa, lüg' doch nicht. Warum versetzen wir nicht das Meer mit Kohlensäure dann können wir alle unter Wasser atmen und niemand ertrinkt mehr. Gute Idee.

"Trinken" führt auch zur nächsten frechen Lüge meiner Eltern. Wenn ich Abends nach dem Abendbrot noch Hunger bekam, sagte meine Mutter immer:
"Trink was. Du denkst nur, dass du Hunger hast. Ein Glas Wasser, dann hört das auf." 
Ja danke schön Mama. Lüg doch nicht. Tüte Chips wäre jetzt ganz geil.

"Bis Du verheiratet bist, ist das wieder gut."
Mal ganz davon abgesehen, dass ich bisher noch nicht verheiratet bin, ist es bis jetzt immer noch nicht wieder gut. Ich weiß nämlich noch ganz genau, wie ich mich mit dem Bollerwagen überschlagen habe, mein Gesicht aufgeplatzt ist und der Arzt mir dann die Spritze ins Kinn gejagt hat. Nichts ist hier wieder gut. Hallöchen Narbe, sag ich da zu mir und Lüg' doch nicht zu meiner Mutter! Jetzt tut es doppelt weh. Zum einen die Erinnerung, zum anderen die Erkenntnis, dass ich einsam und alleine bin. Vielen Dank!

Die letzte Lüge kommt von meinem Opa. Er liebte Quark auf Volkornbrot - meine aboslute Hasskombination auch damals schon. Dazu hatte er folgende Theorie:
"Du musst Quark essen, dann kann man sau gut pfeifen!"
Lüg doch nicht, Opa. Wenn ich Fleischwurst oder Mett esse, kann ich genauso gut pfeifen, nämlich gar nicht. Haha, ich bin die einzige Person auf der Erde, die nicht pfeifen kann. Und das liegt nicht am Quark. 



Donnerstag, 18. Februar 2016

"Mit einem Wisch ist alles weg"

Na? Valentinstag vorbei und wieder nicht getraut, jemanden anzusprechen?

Tinder, Lovoo oder Elitepartner bieten einem die Möglichkeit niemanden mehr ansprechen zu müssen. Der Mut zur Überwindung auf eine fremde Person zuzugehen und mit einem Kompliment galant nach der Telefonnummer zu fragen ist spätestens seit den Dating-Apps nicht mehr notwendig. Mit dem Herausbringen dieser zunächst oberflächlichen Methode Menschen kennenzulernen und dem ersten "Wisch nach rechts oder links" ist Romantik völlig gestorben - finde ich. 
Dennoch habe ich mich selbst mit einem relativ gut getroffenen Profilbild der online Partnerwahl ausgesetzt. Mit Erfolg. Mit Erfolg entsetzt zu sein. Größtenteils. 

Auf die ersten Blicke war ich entsetzt darüber, welche Bilder Männer als Profilbild verwenden. Nur um das einmal zu erwähnen: Alles, was das potenzielle Date zu Gesicht bekommt, ist zunächst dieses eine Bild. Man könnte meinen, dass man sich von seiner besten Seite zeigen möchte, um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Könnte man meinen. 
Was ich persönlich ganz furchtbar finde, ist bei den Dating Apps Standard: mit Sonnenbrille, Spiegelselfies, in Poserstellung vor einer Protzkarre oder das klassische Oben-ohne Foto im Fitnessstudio. Mehr Klischee geht nicht. Aber vielleicht ist das nur meine Ansicht. Doch darüber hinaus geht es noch schlimmer. Ein junger Herr empfand es tatsächlich als gute Idee, ein Foto zu verwenden, auf dem er mit einer Bierflasche in der einen und einer aufgeblasenen Gummipuppe in der anderen Hand abgebildet war. Ich will ein Kind von ihm. Nicht. 

Das nächste Entsetzen kam innerhalb von 24 Stunden.  Denn über 1200 Menschen klickten bei mir auf das Herzchen und wurden so zu optionellen Liebespartnern. Hallo? Bin ich die Einzige hier, die das ekelhaft findet? Nicht einmal 5 % dieser Männer würden auf der Straße in aller Öffentlichkeit mit mir sprechen. Und nicht mal 1 % würde sich im Club nach mir umdrehen. Da bin ich mir sicher. Aber bei Tinder und Co scheint ja niemand so richtig hinzuschauen. Dort herrscht eher eine " Ja kann man mal machen" Mentalität. Bevor man sich also überhaupt mal das Profil anschaut, siegt der Automatismus in der Handbewegung. "Die ist nicht entstellt - Daumen nach rechts".

Doch auch hier endet meine stärker werdende Aggression verursacht durch blankes Entsetzen nicht. Schließlich kamen die vom Trieb gejagten Männer auf die Idee, mich anzuschreiben. Süß eigentlich. Leider waren die Worte, die folgten gar nicht mehr so süß. 
"Hey Baby alles klar?"
Ja, bis gerade war auch noch alles klar. Gespräch beendet. In einer Bar, beim Einkaufen oder auf der Arbeit spricht man den Gegenüber doch nicht so an. Warum sollte dieser Spruch bei Lovoo oder Tinder funktionieren?
"Du hast wunderschöne Augen. Das gefällt mir. Ich würde Dich gerne kennenlernen."
Copy- Paste - Gähn. 

"Stehst Du darauf massiert zu werden?", "Ich würde gerne mal an Deinen Füßen lecken" oder "Ich suche eine Freundin, die gerne Sex mit anderen Männern hat und mir dann davon erzählt"
Wait...What? Hab ich Nutte auf der Stirn stehen oder warum geht es hier plötzlich nur noch um Sex? Ist die plumpe Ficknachricht jetzt das neue "Tat es weh, als Du vom Himmel gefallen bist?" 

Mein Resumee nach 3 Wochen Lovoo und Tinder: 

Ich möchte das nicht. 
Vielleicht ist das ja ein wenig zu altmodisch gedacht, dass die erste Begegnung persönlich passieren sollte. In meiner Welt sollte Magie in der Luft liegen. Es sollte verrückt und unvorhergesehen sein. Höchstwahrscheinlich werde ich mich sogar dabei blamieren und rot anlaufen, wenn ich die Person treffe, mit der ich mir mein Bett in der Zukunft teile. Das mag altmodisch sein. Aber hey. Ich bin lieber von gestern als leicht zu haben. Mir gefällt ganz einfach die Vorstellung nicht, mich mit der Einstellung hinzusetzen: Jetzt lerne ich meinen Traummann kennen. Und weil er auf dem Foto nett aussieht und größer ist als 1,70 m ist er das auch.

 

Sonntag, 14. Februar 2016

Tankstellen Romantik

Eine Rose geschenkt bekommen, zu zweit romantisch essen gehen und anschließend Tatort gucken? 
Darauf kann ich verzichten. Die Sache mit dem Valentinstag hab ich sowieso noch nie verstanden. Im Grunde geht es doch darum, die Liebe in der Partnerschaft zu feiern. In der heutigen Zeit sieht das so aus, dass Mann Blumen besorgt, damit Frau ein Foto auf Facebook hochladen kann, um allen zu zeigen, wie glücklich die beiden sind. Happy Birthday. 
Aus meinem ansteigenden Aggressionspotenzial kann man deutlich entnehmen: Ich bin Single. Aber wäre ich es nicht, könnte man mich trotzdem nicht für den Tag begeistern. Denn wo die einen zwanghaft versuchen, sich an der Liebe zu erfreuen, um sich am Ende doch nur zu streiten, weil man es nicht gewohnt ist, Zeit zu zweit zu genießen, fühlt sich die andere Seite der Medaille doppelt so einsam. Das kann nicht gerecht sein. 

Es mag natürlich auch sein, dass es Paare gibt, die wirklich ihre Polly Pocket Beziehung führen und den Tag mit Schmetterlingen und Pralinen zubringen. Wäre halt irgendwie cool, wenn man das nicht jedem auf die Nase binden müsste.

Mein Valentinstag? Ganz entspannt: Zur Tanke fahren, sehen Mixery ist im Angebot. Das kann kein Zufall sein. Eine Schachtel Kippen kaufen mit der Begründung: Ich hab heute riesen Durst. Ein Lachen generieren bei dem armen Tankstellenverkäufer, der nicht nur Single ist, sondern auch noch arbeiten muss. Männer sehen, die auf den letzten Drücker Blumen an der Tankstelle besorgen. Zwei Stück. Mit Kind. Während deren Frauen am Ende so tun als würde sie sich freuen, weil sie merken, dass der schäbige Strauß nach Benzin riecht. Nach Hause fahren. Mit "The Fray" im Auto. Ein wenig Selbstmitleid verspüren. Ein Schluck Bier. Geht wieder. Darüber nachdenken, dass es besser ist, selbst mit einem Lüsterklemmenschraubenzieher umgehen zu können, als sich auf einen Mann zu verlassen. Alles wieder gut. 


Alles Liebe zum Valentinstag. 

Freitag, 5. Februar 2016

Ich hab Polizei

Eigentlich stehe ich nicht so auf Uniformen. Den Reiz dahinter verstehe ich schon, jedoch habe ich in den letzten Jahren meiner sexuellen Aktivität keine Neigung in diese Richtung entwickelt. Bis gestern.
Kölner Karneval, also eine legitime Eskalation, forderte seine Opfer. Entweder im Schlafzimmer, der leer gesoffenen Studentenwgs oder im Vollsuffkoma wo auch immer. Deshalb kam es auch dazu, dass ich plötzlich mutterseelenallein in der Kneipe stand und Freunde suchte. Bekannte wie unbekannte. Mein Erfolg war dabei mäßig. Ziel Nummer eins, einen witzigen Abend mit Freunden zu verbringen und unser Gruppenkostüm als Zirkusdirektorinnen mit Stolz und Charme auszuführen, war kläglich gescheitert. Der letzte Funke Gute Laune sollte noch etwa 15 Minuten halten, bevor ich frustriert nach Hause gehen wollte.
Also beschloss ich, Ziel zwei in die Tat umzusetzen: Verhaftet zu werden. Nur wollte ich natürlich nichts Schlimmes anstellen, um am Ende Handschellen angelegt zu bekommen - versteht sich. In meiner Misere, den Abend zu einem grandiosen Ende zu bringen, blieb mir lediglich eine Option: Nett fragen. Ein Moment der Peinlichkeit konnte keinesfalls entstehen, da ich ja eh schon lattenstramm war und die Schwelle des unangenehmen Gefühls nicht mehr zu spüren war.

"Hallo Jungs, ich habe ein Anliegen. Könnt Ihr mich verhaften?" 
Stille. Gefolgt von Gelächter.
"Wieso?"
"Das ist mein Ziel für heute Abend. Aber ich will nichts Schlimmes anstellen. Also könnt Ihr mir die Handschellen auf der Motorhaube anlegen und einer vielleicht ein Foto machen? Sonst glaubt mir das ja nachher keiner." 
"Ich frag mal den Chef."

Die Polizei dein Freund und Helfer. Motorhaube war wegen der ganzen feierwütigen Kaninchen, Piraten und sexy Krankenschwestern nicht möglich. Aber so durfte ich tatsächlich neben Schlagstöcken und Uniformen im Polizeiauto sitzen, während sich die Jungs darüber begeierten, dass mir einer von ihnen Handschellen anlegte.  Läuft bei mir.

Doch nicht nur mein Ziel Nummer Zwei wurde so erreicht, sondern auch Ziel Eins. Den Rest des Abends verbrachte ich mit den in voller Montur gekleideten Policemen. Wir quatschten über Maulwürfe, Polizistensöhne und hundert andere Themen. Verabredeten uns immer für den nächsten Treffpunkt, wenn die arbeitenden Männer den Standort wechseln mussten. Sie stalkten mich auf Facebook und ich lud sie zur Pinkelpause in meiner Wohnung ein. So eine verrückte wie auch lässige Situation habe ich lange nicht mehr erlebt. Gerade weil, die sonst so ernsten Beamten, mir nun auf einer freundschaftlichen Ebene begegneten und dabei gleichsam distanziert und verantwortungsbewusst blieben.
Als ich später mein Bier auf einem Stromkasten abstellte, um mir, auch das noch, eine Zigarette anzuzünden, passierte es. Ich stand mit fünf Polizisten im Kreis und redete fröhlich vor mich hin. Nachdem der Glimmstängel brannte und ich mich wieder zu meinem Bier umdrehte, war es weg. Während ich, um das noch einmal deutlich zu machen, mit fünf Polizisten im Dienst im Kreis stand, klaute mir jemand hinter meinem Rücken mein Bier. #andieserStelleeineBetonungspause. Da waren die Männer in Grün wohl doch nicht so verantwortungsbewusst. Dafür aber um so fürsorglicher. Eine gestrandete, alleingelassene Dompteurin wurde von den Uniformierten liebevoll aufgenommen und retteten somit ihren Abend. Seitdem habe ich Polizei und wünschte ich dürfte die Uniform mal mit nach Hause nehmen.