Samstag, 30. Januar 2016

Rasier' ich mir heute die Beine?

Rasier ich mir heute die Beine? 
Ehm nein, ich glaube nicht. 

Ganz ehrlich: Ich finde es ja selber tendenziell nicht so schön, Zentimeter lange Haare an den Beinen zu haben. Immerhin fühlt es sich ja nicht wie eine kuschelig weiche Mieze Katze an, sondern pikst eher wie ein Baby Kaktus. Zudem wachsen die Stoppeln so unregelmäßig, dass an der einen Stelle am Bein Flächen von dunklen Haaren stachelig vor sich hin gedeihen, direkt daneben nichts in Sicht. Man könnte es mit einer Wiese vergleichen. Leider sind die duftenden Grashalme zum größten Teil vertrocknet. Aber eben nur teilweise. 
Nun bin ich mir also mit mir selbst einig, dass der stechende Flaum an meinen Garzellenstampfern nicht angenehm zu tragen ist. Schön isset ja nu nich. Dennoch muss man anmerken, dass ich es meinem Körper nicht übel nehme, dass die Haare an den Beinen nun einmal vorhanden sind. Ich akzeptiere das durchaus. Jetzt stellt sich aber die Frage: Wenn ich das Kraut jetzt schon so lange wachsen lassen habe, dann will ich auch den perfekten Moment erwischen, um den Rasierer seines Amtes walten zu lassen und hier mal ordentlich Ordnung in den Garten zu bringen. Nur wann ist dieser Moment?

Heute ist Freitag. Pluspunkt für Mr. Venus. Ich geh heute Abend aus. Pluspunkt Nr. 2 für Mr. Venus. Aber wird heute Abend jemand in die Abgründe meiner nackten Präsenz eindringen und meine Beine berühren? Ich fürchte nicht, denn momentan habe ich weder einen Kerl am Start noch läuft tendenziell in diesem Club jemand herum, der unter 2 Promille hat.  Minuspunkt für Mr. Venus. 
Leider bringt mich dieser Art von Abwägung nicht zu einem Ergebnis. Denn Freitag und Feiern ist ebenso ausschlaggebend wie, dass niemand mit mir heute sexuelle Aktivitäten durchführen wird. 
Ich denke, ich muss ein wenig anders an die Sache herangehen. Pragmatischer.

Also ich war gestern Haare waschen und duschen. Das heißt, heute muss ich nur duschen. Wenn ich morgen früh Haare wasche und dusche, brauche ich mit Beine Rasieren wieder elendig lange. Ich würde sie dann wahrscheinlich eh wieder nicht rasieren, weil sich ein Zeitfenster verschiebt und ich unter Zeitdruck komme. Bis dann ein riesen Urwald an meinen Beinen herangewachsen ist und die Spinnen, Schlangen und Chamäleons aus meinen Hosenbeinen kriechen. Man würde mich in der ganzen Stadt Katzenlady für Reptilien schimpfen und mich mit Mistgabeln aus der Hood jagen. 
Okay. Ich rasier mir heute die Beine. Besser ist das. 
Aber was ist mit meiner Puschinka? 

Sonntag, 17. Januar 2016

Lass ma' ans Meer fahren!

Ich kann nicht mehr schlafen, ich kann nicht mehr essen, ich kann nicht aufhören zu lächeln. 
Die Schockverliebtheit hat erneut zugeschlagen. Big Time!
Unentwegt muss ich an diesen einen Mann denken, obwohl alles dagegen spricht. Dennoch schwirrt in meinem Kopf immer wieder sein hübscher Mund herum, der mich mit seinen völlig sinnlosen Witzen zum Lachen bringt. So sehr, wie es noch niemand zuvor geschafft hat. 
Immer wieder empfinde ich, dieses Innerliche im Kreis hüpfen, wenn ich daran denke, wie er mir ganz nah kommt und sich unsere Nasen berühren. Ganz selbstverständlich drücke ich die melancholischen Lieder aus meiner Lieblingsliederplaylist weiter, wenn, wie aus dem nichts, seine Augen, Hände und auch seine Michael Jackson Imitation aus dem Erinnerungszentrum meines Gehirns vorschlüpfen und erneut real werden. 

Das halte ich nicht aus! Erfolglos versuche ich diese mir jugendlich vorkommende Gefühlseskalation zu unterdrücken: "Beruhig dich mal Helen. Du bist keine 14" 

Vor wenigen Tagen habe ich noch von der Schockverliebtheit gesprochen. Mir war es wichtig, diese eigene Wortkreation zu erklären, um selbst auch zu verstehen, was da jedes Mal passiert in meinem kleinen verrückten Köpfchen. Und jetzt, wo es schon wieder passiert ist, verstehe ich es selbst nicht mehr. Vielleicht kann mir der ein oder andere hier ja erklären, wieso in mir drin die pubertierende Mittelstufen Elli wieder ausgebrochen ist. 
Deshalb nun, für alle, die noch nicht vor lauter Gesülzüberdosis kotzen gegangen sind, der Vorfall, der zu meinem Dilemma führte: 

Ort: Club Eingang 
Zeit: 23 Uhr 

Track: Sooft gefragt - Annen May Kantereit 


Die wild gewordenen Weiber sind schon wieder im Stammclub. Der Türsteher fragt, warum wir eigentlich noch keinen Schlüssel vom Laden haben, weil wir ihnen die Arbeit des Aufschließens abnehmen könnten, wenn wir eh immer da sind. Haha. 
Der Dj spielt unser Lieblingslied und trotz des ruhigen Songs ist unsere Stimmung großartig. Auch trotz meiner Alkoholpause, die ich immer mal wieder einlege, werde ich in den Sog der Partyszene inmitten der schwitzenden Leute hineingezogen und vorerst nicht mehr losgelassen. 

Ort: Club an der Theke 
Zeit: 0 Uhr 

Track: No Diggity - Blackstreet 


Ein paar Bekannte kommen dazu inklusive der Hauptperson dieses Dramas - Riko. 
Hallo und herzlich willkommen in dieser Erlebnisgastronomie. 

"Hey wie geht's Dir? Geht's Dir gut?" 

Er scheint sich also wirklich zu interessieren, wie es mir geht. 
Wir kommen ins Gespräch, was weder ihn noch mich wundert, da wir uns schon seit 3 Jahren kennen. Bisher hatte er immer eine Freundin und mein Exfreund war ein sehr guter Freund von ihm. Nach einigen abgegrasten Themen gibt er mir grinsend den Ehrentitel "sympathische Frau" und ich erwidere sein Interesse, indem ich ganz galant und - um das noch einmal klarzumachen - nüchtern seine Schulter berühre. 
Das hatte ich nämlich mal im Fernsehen gelernt, dass das ein klares Zeichen für einen Flirt ist. #flirtprogamer 
Er versteht es auch so und nimmt meine Hände und tanzt drauf los. Dazu lasse ich alte Dancing Queen mich nicht zweimal auffordern und schwinge ebenfalls meine Hüften. Mal tanzen wir Becken an Becken mal drehe ich eine Runde um ihn herum. Wir berühren uns, wir lachen und der Fotograf macht ein Bild.

Neeeeeeeeeeein! Das ist die erste Regel bei uns im Freundeskreis: bloß keine Fotos im Club, das kann nur peinlich werden! 

Und das müssen peinliche Bilder sein. Er steht mit seinem Körper in Richtung Kamera, hält meine Hände fest, mein Kopf hinter ihm stehend auf seiner Schulter. Lachend. So sehr lachend, wie man es sich nur vorstellen kann. In diesem Moment kam der Blitz der Kamera. Man kann es mit dem Gefühl vergleichen, wenn man mit 32kmh zu schnell durch die geschlossene Ortschaft fährt und zack der hinterlistig aufgestellte Blitzer erwischt einen. Unnötig! 
So hinterlistig machte auch der Fotograf seine Bilder. 
Tja Helen. Pech gehabt. Regel 1 gebrochen. 

Nachdem wir anschließend Händchen haltend in der Ecke standen und in der Gruppe dank Nichtraucherschutzgesetz vor der Tür rauchen waren, kam der nächste Höhepunkt in diesem Stück. 

Ort: Club Dancefloor 
Uhr: Viertel vor 3 
Lied: Purpartyhitmix 

Eine riesen Abneigung habe ich gegen dieses Lied. Nicht grundsätzlich kann ich bezeugen, denn mit 11 Jahren war ich auch schon einmal auf einem Pur Konzert. Aber dieser Remix ist so unnötig lang und mit den Jahren unfassbar totgehört. Zeit sich zu weigern zu tanzen. 
Pff, denkste. Riko hat ganz andere Pläne. Witze machend zieht er mich zu sich. "Da sag ich doch nicht Nein, wenn Du mich zum Tanzen aufforderst" - lacht er. 
Eins a Michael Jackson Imitation seinerseits- eins a Ballerina Künste meinerseits. Uns beiden ist wie gewohnt nichts peinlich, auch wenn all unsere Freunde zuschauen und der Fotograf weiterhin mit seinem Schnappschussgerät umher schleicht. 

Nach gefühlten 35 Minuten ist der ultimativ geile Hitmix dann auch mal vorbei. Gott sei Dank. 
Wir hangeln uns von Lied zu Lied und von Anekdote zu Anekdote. Ich lache die ganze Zeit über seine Geschichten. Es sei denn, wir hören der Musik zu, dann grinse ich. 
"Ich mag es, wenn Du über meine Witze lachst."

Ort: Club - Dancefloor - vor dem Dj Pult
Zeit: 4 Uhr 

Track: Hula Hoop - Omi 


Dass all unsere Freunde schon nach Hause gegangen sind, merken wir nicht. In unserem Liebeskasperfilm will uns vermutlich keiner stören. Bis auf zwei von ihnen, die knutschen selbst um die Ecke des Clubs rum. Unauffällig, damit es niemand merkt. 

Hula Hula Hoop- mit kreisenden Bewegungen kommen wir uns immer näher. Nase an Nase. Eine Stunde lang. Locker. 
Wir küssen uns nicht. Genießen nur den Moment kurz davor.
Warum? Vielleicht weil ich nüchtern bin, mein Exfreund sein guter Freund ist oder mir sein Beziehungsstatus nicht ganz klar ist oder weiß Gott, warum der Junge das nicht macht! 

"Ich will Euch knutschen sehen!" 
Dj Hugo ist heute ein ganz lustiger. 
"Jeder sollte jetzt seinen Kusspartner festhalten, denn hier ist gleich Feierabend"
grölt er ins Mikro. 

Ort: See 
Zeit: 6 Uhr 
Track: Prayer in C - Robin Schulz


Huch wie sind wir denn da gelandet? Erzähle ich Euch. 
Ich nüchtern. Ergo Fahrerin. Ergo ich bring die Bande nach Hause. Klar kommt da einer auf die Idee noch ein Feierabendbier zu trinken und klar hat da nichts mehr offen außer die Tanke um die Ecke. 
Aus dem Witz "Lass ma ans Meer fahren" wird der See, wo Riko und ich nun auf der einen und die zwei knutschenden Vögel auf der anderen Bank sitzen. 

Erinnert Ihr Euch an die ersten Mädchen und Jungspartys, wenn man ganz beschämt auf der kalten Ledercouch im Partykeller der Eltern sitzt, Cola trinkt und die neue Bravo Hits 95 hört, während die anderen schon Softpetting auf dem Sitzsack nebendran betreiben? So war's. 

Bis zu diesem Lied. Er küsst mich. Er kann küssen. Ach was sag ich? Riko ist ein großartiger Küsser. Wenig Zunge, weiche Lippen, sehr gefühlvoll. Bäm kusskompatibel. Als er seine Hand an mein Gesicht legt und über meinen Hals streicht, setzt mein nüchterner Verstand vollständig aus. Anstelle von Vernunft und Rationalität tritt die Schockverliebtheit. 
Wir reden über die Arbeit. Ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Er erzählt von den Streichen, die er seiner Arbeitskollegin spielt. Mir kommen die Tränen so sehr begeiere ich mich. 

Ort: mein Bett 
Zeit: halb 9

Track: Dont wait - Mapei 


Seither kann ich nicht mehr klar denken. Ständig blitzen Erinnerungen an sein Lachen auf. An die Musik, die uns an dem Abend begleitete. An die Sternschnuppe, die ich vor unserem Kuss am Himmel sah. An die Eiseskälte, die uns völlig egal war. 
Bei jeder einzelnen Erinnerung könnte ich heftigen Brechreiz kriegen. Diesen Kitsch und diese pseudo Romantik ertrage ich nicht. Und trotzdem klopft mein Herz, wenn ich mir selber diese Geschichte im Kopf erzähle. Immer und immer wieder. Ich fühle mich, obwohl ich es zu verhindern versuche, wie ein frisch verknallter Teenie.
Das muss aufhören!

Montag, 11. Januar 2016

"Ich bin eh nicht so gut mit Timings"

Einen Schwung Ehrlichkeit gibt’s heute.

„Ey lüg’ doch nicht!“

Ich kann mit dieser Zeit nicht wirklich. Entweder ich bin krass zu spät oder wesentlich zu früh.
Ich selber spiele das immer gerne herunter. Kann ja auch mal passieren, dass man 85 Minuten (ja hier handelt es sich um eine wahre Zeitangabe) zu spät zu einer Verabredung kommt. Wenn man keine exakte Zeit ausgemacht hat und sich bei jemandem zu Hause trifft, dann ist das jawohl nicht so tragisch. Derjenige ist dann ja schließlich auch zu Hause und steht nicht dumm am Bahnhof rum. Soll er halt Fernsehen oder die Spülmaschine ausräumen. Das heißt ja nicht, dass er parat an der Türklinke stehen muss, um abzuwarten, wann ich natürlich völlig abgehetzt auf dem Hof auflaufe.

Selbstverständlich mache ich das nicht extra. Es ist absolut keine Absicht von mir, zu spät zu kommen. Meine „Kommste heut nicht, kommste morgen“- Mentalität ist keinesfalls geplant. Meistens versuche ich auch, Termine und Verabredungen zeitlich zu strukturieren und baue sogar Zeitpuffer ein. Leider liegt meine Aufmerksamkeitsspanne nahe der eines Eichhörnchens, weshalb mir in diesen extra freigehaltenen Zeitfenstern immer noch wichtige Dinge einfallen, die erledigt werden müssen. Beispielsweise meine Lippenstifte nach Farbe und Haltbarkeit zu sortieren oder mein lang ersehntes Vorstellungsgespräch mit Jan Böhmermann zu üben. Stellen wir uns mal vor, der großartigste Satiriker und Moderator läuft mir zwischenzeitlich über den Weg und beschließt mit mir, ein alles veränderndes Jobinterview zu führen. Dann hab ich erstens keinen passenden Lippenstift drauf, weil ich an dem Wust an Gloss, Superstay und Lipbalm nichts finde und zum Zweiten bin ich gar nicht vorbereitet. Dagegen ist doch ein Wii Abend bei Freunden mal ganz ehrlich Nebensache. Das muss doch jeder nachvollziehen können.

Das ein oder andere Mal bin ich tatsächlich auch zu früh. Wird mir jetzt aus meinem Freunden und Bekanntenkreis niemand glauben, ist aber so. Ich beherrsche nämlich die große Kunst des Zeittotschlagens und lasse mir ganz spontan 45 Dinge einfallen, die ich vor Ort noch erledigen kann. Plötzlich kommt mir dann in den Sinn, dass ich noch eine Vase kaufen muss. Muss ich natürlich nicht, passt aber gerade. Das Problem hierbei ist aber, dass sich dann meine eingeplanten Zeitfenster so verschieben, dass ich dann doch zu spät komme.

Ganz schlimm sind allerdings die Fahrtwege bei dieser ganzen Planungsgeschichte. In meinem Zeitkontinuum funktionieren die nie, wie meine Vorstellungskraft und auch die Deutsche Bahn App sowie Google Maps es voraussagen. Es sollte Sondereinstellungen geben, die folgende Vorhersagen mit einplanen:

„Falls Sie sich mehr als 2x verfahren und oder die Haltestelle verpassen, zu weit fahren und zurücklaufen müssen, beträgt die Fahrtzeit 45 Minuten.“

BÄM! Damit kann man doch etwas anfangen.

Und die schamlose Wahrheit geht weiter.
An dieser Charaktereigenschaft meiner Person wird sich niemals etwas ändern. Zorry.
Es ist nicht so, als hätten ich oder mein Umfeld es nicht versucht. Mein Exfreund hat mir zwei Jahre in Folge Uhren zu Weihnachten geschenkt. Ich empfinde Armbanduhren jedoch als Belastung meines Handgelenks. Außerdem kann man sich auf die Dinger doch eh nie verlassen. Erfahrungsgemäß gehen Uhren eh immer falsch, die Batterien sind leer oder man hat vergessen, die Zeitumstellung zu beachten. Dann kommt man nämlich trotz Uhr mindestens eine Stunde zu spät. Da ist mir meine Handy Uhr lieber. Die ist wenigstens nicht so aufdringlich.
Wahrscheinlich hat mir der Tüppes damals eh nur sagen wollen, dass unsere Zeit abgelaufen ist.


Meine Zeit ist jetzt übrigens auch abgelaufen. Mein Zufrühkommfenster hat sich gerade verschoben.

Sonntag, 10. Januar 2016

Text vom Ex

Der eine schrieb, er will Sex von mir. 
Der davor versuchte nett zu klären, wie ich an meine Post komme, seitdem wir nicht mehr zusammenwohnen. 
Der Letzte blockte ab und antwortete gar nicht mehr. 

Ich kam irgendwie darauf, als ich über meine Exfreunde nachdachte. Was war eigentlich die letzte SMS, die ich von ihnen bekommen hatte. Wie zu sehen ist, kamen die drei Standards dabei raus. Drei Männer, drei Geschichten, drei SMS.
Paul – privat message
Seit der 7. Klasse war ich in ihn verliebt gewesen. Mit seiner Zahnspange und seinen blonden Spitzen war er mir direkt aufgefallen. Lange Zeit spielte er nur mit mir, wir verbrachten unendlich viele Nächte miteinander. Die Frauen kamen und gingen bei ihm. Ich blieb – bis heute. Doch auch jetzt hat er wieder eine Freundin. Wahrscheinlich ist das auch genau der Grund, warum er sich wieder bei mir meldet. “Heute Sex?” Meine Antwort: “Nein danke, Möchtegerncasanova, ich bin bedient.” Wenn es schon für eine Beziehung nicht reicht, dann auch erst recht nicht für eine zwanglose Bettgeschichte.
Jan – urgent message
Jan war meine längste Beziehung inklusive gemeinsamer Wohnung und gemeinsamen Klingelschild. Ich machte Schluss, er stimmte mir wortlos zu. Nach langem Drama und viel Streit mussten wir uns irgendwann eingestehen, dass Gefühle manchmal eben nicht reichen, um eine erfolgreiche Beziehung zu führen. Bevor sich also ernsthaft jemand verletzte, kündigte ich die Wohnung. Nun hatte er Post für mich und um diese zu überbringen, fing er ein nettes Gespräch an. Es war seltsam nett mit ihm zu schreiben. Geradezu unpassend. Nach dem ganzen Trennungsstress war es besser überhaupt keinen Kontakt zueinander zu haben. Schick mir die Post mit der Post. Seine letzte Nachricht: “Willst Du kurz anrufen?”
Benedikt – The person you are calling is temporary not available
Benedikt, liebevoll Benji genannt, brach mir das Herz. Manche Leute sagen, man findet nur einmal die große Liebe. Er war meine. Ich anscheinend nicht seine, denn nun hat er eine neue Freundin. Bis zur letzten SMS wusste ich dies aber noch nicht. Daher kam es mir komisch vor, wie er auf meine Nachricht nur so spärlich antwortete, obwohl er einige Stunden zuvor noch meine Instagrambilder likete. In der allerletzten seiner SMS ging es nicht um den Inhalt. Es ging darum, was der Text suggerierte. Trotz des Anklickens der kleinen roten Herzchen unter meinen Bildern wollte er mich nicht mehr. Das gab er mir durch seine Wortwahl und das fehlende Interesse für das Gespräch zu verstehen. Plötzlich gab es ein anderes Mädchen, das er nachts vor bösen Träumen bewahrt, das er anschaut und sagt “Du bist so verrückt” und über das er sich aufregen kann, weil sie immer ihr Handy sucht. Zu plötzlich. Durch seine letzte SMS wusste ich Bescheid und nahm es so hin, wie es war: vorbei.
Egal ob Dein Verflossener mit Smileys schreibt oder ohne. Ob er nett ist oder Dich beleidigt. Ob er Sex will oder eine andere Sache vorschiebt, um Dich zu sehen. Und wirklich ganz egal, ob Du noch Gefühle beim Texten hegst. Meiner Erfahrung nach solltest Du Dir beim Aufblinken des kleinen Nachrichtensymbols immer einer Sache bewusst sein: Es ist Dein Ex und das aus gutem Grund.
Gesendet 01:15 
Gelesen 01:19

Schockverliebtheit

Ich verliebe mich schnell. Rasant regelrecht. In Gegenstände, Musik, Szenen eines Films und auch in Menschen. Erst letzte Woche habe ich mich in eine Vase verliebt. Sie stand auf einem gewöhnlichen Regal in einem Kölner Hipster Dekoladen, in dem ich mir eigentlich nur die Zeit totschlagen wollte. Über ihr das Schild „50 % off“. Mein Blick traf ihren wohlgeformten Bauch und glitt entlang des symmetrisch eleganten Halses. Hab ich gekauft. Für 14 €. Blumen hab ich trotzdem nie welche da. Hauptsache schockverliebt.

Symmetrisch ist an dieser Stelle übrigens ein super Stichwort.
Eines tristen Samstag abends musste ich meine innerliche Einsamkeit kompensieren, indem ich mir mit meinen herausgeputzten Mädels 1,2,3,4 Heineken hinter den frisch gezogenen Superstay Lippenstift kippte. Werbung aus – aber so isses ja.
Dröhnende Bässe, halb nackte Frauen und das brüstende Testosteron in der Luft brachte die Tgif Magie. War zwar Samstag, ist aber im Grunde genommen bums. Gepaart mit von der Decke tropfendem Schweiß. Thank God it’s Sommer. Ich zappelte mir also ordentlich einen ab – Kiste Kiste Schwung – mit einem Herrn, der zwar mit seiner Größe überzeugte, jedoch nicht mit seinem Charisma. Mr. Hering vor mir, ich angesoffen neben mir.
Und eigentlich sprach mich der geheimnisvolle Barkeeper mit Vollbart und Bandshirt mehr an als der Typ, der vor mir zu Taylor Swift it off shakte. Unangenehm! Peinlich! Gegen meine sonst so stark vertretende Überzeugung, meine persönlichen Daten nicht an NUR potenzielle sexuelle Wegbegleiter rauszugeben (Wenn sie Füchse sind, finden sie mich auf Facebook.) gab ich Timo alias der super Badboy Barkeeper meine Nummer.
Er meldete sich. Wir trafen uns. Dödömm.
Timo ist in der Tat ein super sympathischer junger Herr und ich war bei unserem Treffen nicht unamüsiert, muss ich ehrlicherweise sagen. Bis zu folgendem Gespräch:
T: „Und was machst Du heute noch so?“
H: „Ach mal sehen.“
T: „Ich geh gleich noch auf eine Lan-Party“
Ach so. Alles klar. Läuft bei Dir.
Als ich da also bei meiner kleinen Apfelschorle saß und versuchte zu verstehen, wieso der so interessierte Kerl mir völlig nach dem Mund redete und beiläufig erwähnte, dass er den Abend mit einer Lan-Party verplant hatte, überdachte ich meine Schockverliebtheit von Samstagabend noch einmal.
Bis der Todesstoß in den „Du-wirst-mein-Höschen-nie-von-innen-sehen Graben kam: „Deine Grübchen machen Dein Gesicht symmetrisch.“
Da merkte ich, dass wir beide nicht vom selben Schlag sind und die Romantik durch eine Lan-Party und die Symmetrie meines Gesichtes zerstört wurde. Völlig umsonst waren die Schockverliebtheit und die Aufregung zuvor. Ebenso umsonst wie die Vase.

Danke dafür Bildungsfernsehen

Es ist 17 Uhr und ich habe meine Zähne immer noch nicht geputzt. In Embryonalstellung liege ich auf der schäbigen Ikea Couch in meiner Studentenküche. Geschirr mit Essensresten steht auf der Arbeitsplatte. Genau wie auch die mit Soße beschmierte Dose Ravioli, die ich gestern Abend gegessen habe. Komplett. Es riecht nach Rauch. Kein Wunder, denn der Aschenbecher ist voll und die Packung Zigaretten ist leer. Klare Konsequenz.
Heute habe ich noch nicht viel gemacht, obwohl meine nicht vorhandene To-Do Liste aus allen Nähten platzt. Anstatt sämtlichen Erwachsenenkram zu erledigen (Winterreifen, Krankenversicherung und auch mal Zähne putzen) rege ich mich lieber vier Stunden über die verkackte Spülmaschine auf. Nicht, weil sie nicht funktioniert. Würde man das dreckige Geschirr einräumen, könnte man sie anstellen und alles wäre blitzblank. Aber nein!
Ich rege mich über ihre Positionierung in unserer Küche auf. Der unheimlich kreative
Vormieter hat sich aus den Memoiren von Einsatz in 4 Wänden ganz tolle Dekorationstipps geholt und ihr drei hässliche rote Streifen verpasst. Von dünn bis dick; es ist von allem etwas dabei. In Rot. Nebeneinander. Von oben nach unten.
Das erste, was meine Mitbewohnerin und ich bei unserer ersten Mitbewohnerkonferenz geklärt haben, war, die Streifen müssen weg. Nun, drei Monate später, sind die Dinger immer noch da. Hässlon Streifen. Unnötige Farbverschwendung. Die Striche sind ja nicht mal sauber gemalt. Überall an den Seiten sieht man, wie die Farbe beim Abziehen des Klebebandes mit einer Konsistenz wie getrocknetes Sperma runtergebröckelt ist. Außerdem ist es auch kein schönes Rot. Nicht wie ein vollmundiges Rotweinglas oder die Haare von Palina Rojinski. Nein! Es ist die Farbe eines vergammelten Pink Lady Apfels gepaart mit einer leichten Menstruationsnote. Hässlich!
So etwas Hässliches will ich nicht in der Küche stehen haben. Da kann jetzt aber mal Tine Wittler persönlich vorbei kommen und den Schaden wieder gerade bügeln, den sie mit ihren ganz fantastischen Dekorationsvorschlägen für kleines Geld in ihrer völlig überbewerteten Nachmittagssendung angestellt hat. Ja Tine, zack, 300 € Spülmaschine versaut. Danke dafür. Der Herr RTL kann sich den Schuh auch gleich mit anziehen. Rote Streifen. Als Chef muss man auch mal darauf achten, was für ein Content in seinem Programm läuft. Man kann nicht einfach Schrott senden, nur weil die Quote stimmt.
Ich persönlich bin nun die Leidtragende in der ganzen Geschichte. Denn ich muss mich nun über den optischen Zerfall meines Küchengerätes aufregen. Nun steht die Maschine da und schreit mich an: “Ich bin jung, ich bin cool, ich bin individuell, ich habe rote Streifen”, um mir auf den Sack zu gehen. Frech ist das.
Wäre ich nicht zu faul, um mit der Hand zu spülen, wäre das Gerät schon längst aus dem Fenster geflogen. Inklusive meiner Aggression gegenüber Inneneinrichterinnen und Duftkerzen.


Hier klicken um sich den Post anzuhören!