Sonntag, 10. Januar 2016

Schockverliebtheit

Ich verliebe mich schnell. Rasant regelrecht. In Gegenstände, Musik, Szenen eines Films und auch in Menschen. Erst letzte Woche habe ich mich in eine Vase verliebt. Sie stand auf einem gewöhnlichen Regal in einem Kölner Hipster Dekoladen, in dem ich mir eigentlich nur die Zeit totschlagen wollte. Über ihr das Schild „50 % off“. Mein Blick traf ihren wohlgeformten Bauch und glitt entlang des symmetrisch eleganten Halses. Hab ich gekauft. Für 14 €. Blumen hab ich trotzdem nie welche da. Hauptsache schockverliebt.

Symmetrisch ist an dieser Stelle übrigens ein super Stichwort.
Eines tristen Samstag abends musste ich meine innerliche Einsamkeit kompensieren, indem ich mir mit meinen herausgeputzten Mädels 1,2,3,4 Heineken hinter den frisch gezogenen Superstay Lippenstift kippte. Werbung aus – aber so isses ja.
Dröhnende Bässe, halb nackte Frauen und das brüstende Testosteron in der Luft brachte die Tgif Magie. War zwar Samstag, ist aber im Grunde genommen bums. Gepaart mit von der Decke tropfendem Schweiß. Thank God it’s Sommer. Ich zappelte mir also ordentlich einen ab – Kiste Kiste Schwung – mit einem Herrn, der zwar mit seiner Größe überzeugte, jedoch nicht mit seinem Charisma. Mr. Hering vor mir, ich angesoffen neben mir.
Und eigentlich sprach mich der geheimnisvolle Barkeeper mit Vollbart und Bandshirt mehr an als der Typ, der vor mir zu Taylor Swift it off shakte. Unangenehm! Peinlich! Gegen meine sonst so stark vertretende Überzeugung, meine persönlichen Daten nicht an NUR potenzielle sexuelle Wegbegleiter rauszugeben (Wenn sie Füchse sind, finden sie mich auf Facebook.) gab ich Timo alias der super Badboy Barkeeper meine Nummer.
Er meldete sich. Wir trafen uns. Dödömm.
Timo ist in der Tat ein super sympathischer junger Herr und ich war bei unserem Treffen nicht unamüsiert, muss ich ehrlicherweise sagen. Bis zu folgendem Gespräch:
T: „Und was machst Du heute noch so?“
H: „Ach mal sehen.“
T: „Ich geh gleich noch auf eine Lan-Party“
Ach so. Alles klar. Läuft bei Dir.
Als ich da also bei meiner kleinen Apfelschorle saß und versuchte zu verstehen, wieso der so interessierte Kerl mir völlig nach dem Mund redete und beiläufig erwähnte, dass er den Abend mit einer Lan-Party verplant hatte, überdachte ich meine Schockverliebtheit von Samstagabend noch einmal.
Bis der Todesstoß in den „Du-wirst-mein-Höschen-nie-von-innen-sehen Graben kam: „Deine Grübchen machen Dein Gesicht symmetrisch.“
Da merkte ich, dass wir beide nicht vom selben Schlag sind und die Romantik durch eine Lan-Party und die Symmetrie meines Gesichtes zerstört wurde. Völlig umsonst waren die Schockverliebtheit und die Aufregung zuvor. Ebenso umsonst wie die Vase.

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