Sonntag, 10. Januar 2016

Danke dafür Bildungsfernsehen

Es ist 17 Uhr und ich habe meine Zähne immer noch nicht geputzt. In Embryonalstellung liege ich auf der schäbigen Ikea Couch in meiner Studentenküche. Geschirr mit Essensresten steht auf der Arbeitsplatte. Genau wie auch die mit Soße beschmierte Dose Ravioli, die ich gestern Abend gegessen habe. Komplett. Es riecht nach Rauch. Kein Wunder, denn der Aschenbecher ist voll und die Packung Zigaretten ist leer. Klare Konsequenz.
Heute habe ich noch nicht viel gemacht, obwohl meine nicht vorhandene To-Do Liste aus allen Nähten platzt. Anstatt sämtlichen Erwachsenenkram zu erledigen (Winterreifen, Krankenversicherung und auch mal Zähne putzen) rege ich mich lieber vier Stunden über die verkackte Spülmaschine auf. Nicht, weil sie nicht funktioniert. Würde man das dreckige Geschirr einräumen, könnte man sie anstellen und alles wäre blitzblank. Aber nein!
Ich rege mich über ihre Positionierung in unserer Küche auf. Der unheimlich kreative
Vormieter hat sich aus den Memoiren von Einsatz in 4 Wänden ganz tolle Dekorationstipps geholt und ihr drei hässliche rote Streifen verpasst. Von dünn bis dick; es ist von allem etwas dabei. In Rot. Nebeneinander. Von oben nach unten.
Das erste, was meine Mitbewohnerin und ich bei unserer ersten Mitbewohnerkonferenz geklärt haben, war, die Streifen müssen weg. Nun, drei Monate später, sind die Dinger immer noch da. Hässlon Streifen. Unnötige Farbverschwendung. Die Striche sind ja nicht mal sauber gemalt. Überall an den Seiten sieht man, wie die Farbe beim Abziehen des Klebebandes mit einer Konsistenz wie getrocknetes Sperma runtergebröckelt ist. Außerdem ist es auch kein schönes Rot. Nicht wie ein vollmundiges Rotweinglas oder die Haare von Palina Rojinski. Nein! Es ist die Farbe eines vergammelten Pink Lady Apfels gepaart mit einer leichten Menstruationsnote. Hässlich!
So etwas Hässliches will ich nicht in der Küche stehen haben. Da kann jetzt aber mal Tine Wittler persönlich vorbei kommen und den Schaden wieder gerade bügeln, den sie mit ihren ganz fantastischen Dekorationsvorschlägen für kleines Geld in ihrer völlig überbewerteten Nachmittagssendung angestellt hat. Ja Tine, zack, 300 € Spülmaschine versaut. Danke dafür. Der Herr RTL kann sich den Schuh auch gleich mit anziehen. Rote Streifen. Als Chef muss man auch mal darauf achten, was für ein Content in seinem Programm läuft. Man kann nicht einfach Schrott senden, nur weil die Quote stimmt.
Ich persönlich bin nun die Leidtragende in der ganzen Geschichte. Denn ich muss mich nun über den optischen Zerfall meines Küchengerätes aufregen. Nun steht die Maschine da und schreit mich an: “Ich bin jung, ich bin cool, ich bin individuell, ich habe rote Streifen”, um mir auf den Sack zu gehen. Frech ist das.
Wäre ich nicht zu faul, um mit der Hand zu spülen, wäre das Gerät schon längst aus dem Fenster geflogen. Inklusive meiner Aggression gegenüber Inneneinrichterinnen und Duftkerzen.


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