Einen
Schwung Ehrlichkeit gibt’s heute.
„Ey lüg’ doch
nicht!“
Ich kann
mit dieser Zeit nicht wirklich. Entweder ich bin krass zu spät oder wesentlich
zu früh.
Ich selber
spiele das immer gerne herunter. Kann ja auch mal passieren, dass man 85
Minuten (ja hier handelt es sich um eine wahre Zeitangabe) zu spät zu einer
Verabredung kommt. Wenn man keine exakte Zeit ausgemacht hat und sich bei
jemandem zu Hause trifft, dann ist das jawohl nicht so tragisch. Derjenige ist
dann ja schließlich auch zu Hause und steht nicht dumm am Bahnhof rum. Soll er
halt Fernsehen oder die Spülmaschine ausräumen. Das heißt ja nicht, dass er parat
an der Türklinke stehen muss, um abzuwarten, wann ich natürlich völlig
abgehetzt auf dem Hof auflaufe.
Selbstverständlich
mache ich das nicht extra. Es ist absolut keine Absicht von mir, zu spät zu
kommen. Meine „Kommste heut nicht, kommste morgen“- Mentalität ist keinesfalls
geplant. Meistens versuche ich auch, Termine und Verabredungen zeitlich zu
strukturieren und baue sogar Zeitpuffer ein. Leider liegt meine
Aufmerksamkeitsspanne nahe der eines Eichhörnchens, weshalb mir in diesen extra
freigehaltenen Zeitfenstern immer noch wichtige Dinge einfallen, die erledigt
werden müssen. Beispielsweise meine Lippenstifte nach Farbe und Haltbarkeit zu
sortieren oder mein lang ersehntes Vorstellungsgespräch mit Jan Böhmermann zu
üben. Stellen wir uns mal vor, der großartigste Satiriker und Moderator läuft
mir zwischenzeitlich über den Weg und beschließt mit mir, ein alles
veränderndes Jobinterview zu führen. Dann hab ich erstens keinen passenden
Lippenstift drauf, weil ich an dem Wust an Gloss, Superstay und Lipbalm nichts
finde und zum Zweiten bin ich gar nicht vorbereitet. Dagegen ist doch ein Wii
Abend bei Freunden mal ganz ehrlich Nebensache. Das muss doch jeder
nachvollziehen können.
Das ein
oder andere Mal bin ich tatsächlich auch zu früh. Wird mir jetzt aus meinem
Freunden und Bekanntenkreis niemand glauben, ist aber so. Ich beherrsche
nämlich die große Kunst des Zeittotschlagens und lasse mir ganz spontan 45
Dinge einfallen, die ich vor Ort noch erledigen kann. Plötzlich kommt mir dann
in den Sinn, dass ich noch eine Vase kaufen muss. Muss ich natürlich nicht,
passt aber gerade. Das Problem hierbei ist aber, dass sich dann meine eingeplanten
Zeitfenster so verschieben, dass ich dann doch zu spät komme.
Ganz
schlimm sind allerdings die Fahrtwege bei dieser ganzen Planungsgeschichte. In
meinem Zeitkontinuum funktionieren die nie, wie meine Vorstellungskraft und
auch die Deutsche Bahn App sowie Google Maps es voraussagen. Es sollte
Sondereinstellungen geben, die folgende Vorhersagen mit einplanen:
„Falls Sie
sich mehr als 2x verfahren und oder die Haltestelle verpassen, zu weit fahren
und zurücklaufen müssen, beträgt die Fahrtzeit 45 Minuten.“
BÄM! Damit
kann man doch etwas anfangen.
Und die
schamlose Wahrheit geht weiter.
An dieser
Charaktereigenschaft meiner Person wird sich niemals etwas ändern. Zorry.
Es ist
nicht so, als hätten ich oder mein Umfeld es nicht versucht. Mein Exfreund hat
mir zwei Jahre in Folge Uhren zu Weihnachten geschenkt. Ich empfinde
Armbanduhren jedoch als Belastung meines Handgelenks. Außerdem kann man sich
auf die Dinger doch eh nie verlassen. Erfahrungsgemäß gehen Uhren eh immer
falsch, die Batterien sind leer oder man hat vergessen, die Zeitumstellung zu
beachten. Dann kommt man nämlich trotz Uhr mindestens eine Stunde zu spät. Da
ist mir meine Handy Uhr lieber. Die ist wenigstens nicht so aufdringlich.
Wahrscheinlich
hat mir der Tüppes damals eh nur sagen wollen, dass unsere Zeit abgelaufen ist.
Meine Zeit
ist jetzt übrigens auch abgelaufen. Mein Zufrühkommfenster hat sich gerade
verschoben.

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