Montag, 11. Januar 2016

"Ich bin eh nicht so gut mit Timings"

Einen Schwung Ehrlichkeit gibt’s heute.

„Ey lüg’ doch nicht!“

Ich kann mit dieser Zeit nicht wirklich. Entweder ich bin krass zu spät oder wesentlich zu früh.
Ich selber spiele das immer gerne herunter. Kann ja auch mal passieren, dass man 85 Minuten (ja hier handelt es sich um eine wahre Zeitangabe) zu spät zu einer Verabredung kommt. Wenn man keine exakte Zeit ausgemacht hat und sich bei jemandem zu Hause trifft, dann ist das jawohl nicht so tragisch. Derjenige ist dann ja schließlich auch zu Hause und steht nicht dumm am Bahnhof rum. Soll er halt Fernsehen oder die Spülmaschine ausräumen. Das heißt ja nicht, dass er parat an der Türklinke stehen muss, um abzuwarten, wann ich natürlich völlig abgehetzt auf dem Hof auflaufe.

Selbstverständlich mache ich das nicht extra. Es ist absolut keine Absicht von mir, zu spät zu kommen. Meine „Kommste heut nicht, kommste morgen“- Mentalität ist keinesfalls geplant. Meistens versuche ich auch, Termine und Verabredungen zeitlich zu strukturieren und baue sogar Zeitpuffer ein. Leider liegt meine Aufmerksamkeitsspanne nahe der eines Eichhörnchens, weshalb mir in diesen extra freigehaltenen Zeitfenstern immer noch wichtige Dinge einfallen, die erledigt werden müssen. Beispielsweise meine Lippenstifte nach Farbe und Haltbarkeit zu sortieren oder mein lang ersehntes Vorstellungsgespräch mit Jan Böhmermann zu üben. Stellen wir uns mal vor, der großartigste Satiriker und Moderator läuft mir zwischenzeitlich über den Weg und beschließt mit mir, ein alles veränderndes Jobinterview zu führen. Dann hab ich erstens keinen passenden Lippenstift drauf, weil ich an dem Wust an Gloss, Superstay und Lipbalm nichts finde und zum Zweiten bin ich gar nicht vorbereitet. Dagegen ist doch ein Wii Abend bei Freunden mal ganz ehrlich Nebensache. Das muss doch jeder nachvollziehen können.

Das ein oder andere Mal bin ich tatsächlich auch zu früh. Wird mir jetzt aus meinem Freunden und Bekanntenkreis niemand glauben, ist aber so. Ich beherrsche nämlich die große Kunst des Zeittotschlagens und lasse mir ganz spontan 45 Dinge einfallen, die ich vor Ort noch erledigen kann. Plötzlich kommt mir dann in den Sinn, dass ich noch eine Vase kaufen muss. Muss ich natürlich nicht, passt aber gerade. Das Problem hierbei ist aber, dass sich dann meine eingeplanten Zeitfenster so verschieben, dass ich dann doch zu spät komme.

Ganz schlimm sind allerdings die Fahrtwege bei dieser ganzen Planungsgeschichte. In meinem Zeitkontinuum funktionieren die nie, wie meine Vorstellungskraft und auch die Deutsche Bahn App sowie Google Maps es voraussagen. Es sollte Sondereinstellungen geben, die folgende Vorhersagen mit einplanen:

„Falls Sie sich mehr als 2x verfahren und oder die Haltestelle verpassen, zu weit fahren und zurücklaufen müssen, beträgt die Fahrtzeit 45 Minuten.“

BÄM! Damit kann man doch etwas anfangen.

Und die schamlose Wahrheit geht weiter.
An dieser Charaktereigenschaft meiner Person wird sich niemals etwas ändern. Zorry.
Es ist nicht so, als hätten ich oder mein Umfeld es nicht versucht. Mein Exfreund hat mir zwei Jahre in Folge Uhren zu Weihnachten geschenkt. Ich empfinde Armbanduhren jedoch als Belastung meines Handgelenks. Außerdem kann man sich auf die Dinger doch eh nie verlassen. Erfahrungsgemäß gehen Uhren eh immer falsch, die Batterien sind leer oder man hat vergessen, die Zeitumstellung zu beachten. Dann kommt man nämlich trotz Uhr mindestens eine Stunde zu spät. Da ist mir meine Handy Uhr lieber. Die ist wenigstens nicht so aufdringlich.
Wahrscheinlich hat mir der Tüppes damals eh nur sagen wollen, dass unsere Zeit abgelaufen ist.


Meine Zeit ist jetzt übrigens auch abgelaufen. Mein Zufrühkommfenster hat sich gerade verschoben.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen