Montag, 23. Mai 2016

May I introduce: Bonnie Pedersen

Sollte mich jemand von Euch mal beim Feiern treffen, tut es mir wahnsinnig leid, dass ich Euch direkt zu beginn anlügen werde. Denn ich stelle mich auf Partys oder im Club niemals mit meinem richtigen Namen vor. Besoffenen Menschen an der Bar kurz vor einem Gespräch über das letzte DFB Pokal Finale, das zusätzlich von lauten Bässen beschallt wird, meine Persönlichkeit zu offenbaren, unnötig. Was soll ich denen denn erzählen, dass ich Helen heiße, 24 bin, tendenziell sexuell frustriert bin, aber gerne masturbiere und mein erstes Karnevalskostüm eine Mini Maus war? Meinen Namen merkt er sich doch eh nicht.

Es fing alles mit der Diskussion an, dass Männer von erfolgreichen Frauen eingeschüchtert sind. Wenn mich zum Beispiel ein Abteilungsleiter eines Baumarktes anspricht und mich fragt, was ich beruflich mache und ich ihm beispielsweise sage, ich studiere Medizin, kommt das nicht gut an. Von Wochenende zu Wochenende wechselte ich also meine Jobs. Von Zahnarzthelferin über Friseurin zu CEO einer Internetfirma; ich hatte jede Woche eine andere Passion, die ich versuchte, glaubhaft rüber zubringen. Um ganz ehrlich zu sein, machte es mir Spaß eine Maske um mich rum zu brauen und diese mit blumigen Details auszuschmücken. Nur wenn mir eine Person wirklich gefiel, verriet ich ihr meinen richtigen Namen.
So kam es, dass ich über die Jahre ein allumfassendes Feier Ego entwickelte, welches ich Euch nun exclusiv vorstellen werde.

Mein Name ist Bonnie. Komischer Name wird der ein oder andere sagen, worauf ich antworte: "Meine Eltern haben früher viel gekifft, deshalb heiße ich so". Pedersen mit Nachnamen, weil mein Uropa aus Dänemark stammt. Damit habe ich leider nichts mehr zu tun. Aber einen Satz kann ich noch: På med vanten! Was so viel heißt wie: Ran an den Speck!
Ganz passend, weil mein asiatisches Sternzeichen auch Schwein ist. Mein deutsches Widder. Das bedeutet, ich habe im März Geburtstag. Am 22, um genau zu sein.


Beruflich habe ich mich vor 4 Jahren erst richtig gefunden, nachdem ich erst einmal ein Medizinstudium angefangen hatte, wurde mir bewusst, dass das Helfen anderer Menschen ja ganz toll ist, mich kreativ aber nicht richtig befriedigt. Deshalb lernte ich Grafik Design mit der Spezialisierung auf elektronische Medien. Als ich dann mit 24 bei einem Start-Up anfing, einem Online Shop für Mode, der zufällig durch die Decke ging, wurde ich durch eine Menge Arbeit und sehr wenig Schlaf zum Art Director des ganzen Bums. Kaffee ist seitdem mein bester Freund, ebenso mein kleiner Stressball. Er ist lila, hat ein Gesicht und drei kleine Wollfäden als Haare. Ich bin froh, dass es ihn gibt.
Wegen meines Jobs habe ich auch immer einen Block und einen Bleistift dabei, falls mir mal eine Idee kommt.
Aber genug von Arbeit.


Ich bin laktoseintolerant und allergisch gegen Nüsse. Meine kleine Schwester Lola sagte früher immer allergerisch, was ich heute gerne auch noch tue. Das ist objektiv gesehen eine echte Arschkarte. Toffifee sind nämlich tabu, genau wie Milchshakes.
Meine Lieblingsfarbe ist Blau. Aber kein krasses Blau sondern eher eine Art Taubenblau. Das mag ich, weil es nicht so aufdringlich ist. Und auch, weil die Farben Schwarz und Weiß mit reingemischt sind. Die Vorstellung finde ich ganz schön. Deshalb habe ich auch neulich meine Küche in dieser Farbe gestrichen. Viele sagen, die Wand sieht jetzt etwas dreckig und beschmutzt aus, aber ich mag den Industriestil auch.
Wenn ich ein Hobby haben muss, dann ist das Tennis. Aber nur weil ich keine Lust hab, dem Klischee zu entsprechen und als Kölner Südstädtler Golf zu spielen. Und weil man so herrlich auf den Ball dreschen kann, wenn der Tag mal wieder scheiße war.
Den Begriff "Scheiße" habe ich mir übrigens abgewöhnt. Meine beste Freundin hat nämlich vor einem Jahr ein Kind bekommen. Obwohl Leonard ganz lässig ist, musste ich mir das Fluchen in seiner Gegenwart abgewöhnen. Fand ich auch eine ganz tolle Sache.
Aber genug von mir. Wie geht's Euch denn so?



Dienstag, 10. Mai 2016

Das Stalk Disaster

Bei diesem Post habe ich das Gefühl, ich sollte mich vorab entschuldigen, weil ich lange nicht mehr geschrieben habe.
Sorry. Es gab von mir leider keinen Hass zu sharen, weil ich kurzzeitig dachte, ich sei verliebt. Aber keine Sorge. Die schmierige Raupe habe ich schnell wieder ausgekotzt, bevor sie zu einem Schmetterling werden konnte. Um wen es hier geht? Natürlich um Max, dem 1,98 m kleinen, leidenschaftlichen Geschichtenerzähler, der von seinem Daddy zwar den vollen Haarwuchs aber auch die Rot-Grün Schwäche geerbt hatte. Wenn er den Kopf nicht beim Fußballspielen frei bekam, nahm er den Bleistift in die Hand. Ich mochte ihn. Auch, weil er mich witzig fand.

Er: Du bist witzig.
Ich: Das ist das Schönste, was man mir sagen kann.
Er: Dann bist Du jetzt direkt verliebt?
Ich: Das kommt auf Deine Einstellung zu mintgrünen skinny Jeans an.

Er trug immer eine Dunkelblaue. Auch als wir uns das erste Mal bei der offiziellen Schnick Schnack Schnuck Weltmeisterschaft begegneten.
Leichtsinnig hatte er mich zu einem Duell in der Vorrunde rausgefordert und ich hatte ihn majestätisch besiegt.
Er: Ganz ehrlich, das war nur Glück. Da brauchst Du Dir gar nichts drauf einbilden.
Ich: Ganz ehrlich, Du bist der schlechteste Spieler der Welt.
Er: Bier?
Ich: Bier.

Für mich war das Romantik. Selbstverständlich nicht, wie sie im Buche steht, aber meiner Meinung nach so, wie sie im Buche stehen sollte. Beim Anstoßen stellten wir uns vor:
Er: Max.
Ich: Helen.
Er: Hi.
Ich: Wie gehts?
Er: Was machst Du so?
Ich: Und sonst so?

Eindeutig waren wir humorkompatibel und, wie sich später herausstellte, waren wir auch kusskompatibel.
Wir waren mittwochs im Kino gewesen und hatten uns einen Film in Originalsprache angeschaut. Während des Films musste ich so dringend pinkeln, dass mir beinahe alles abgestorben wäre und weil mich der Film eh nicht so ansprach, konnte ich ruhigen Gewissens den Saal verlassen. Wie ich da so meinem Strahl der Erlösung freien Lauf ließ, kam mir die grandiose Idee, die ich heute immer noch für grandios empfinde, flott noch eine Rauchen zu gehen. Als der Glimmstängel noch nicht ganz zu Ende gebrannt war, kam ein Schwarm von Kinobesuchern aus dem Gebäude und diskutierte angeregt den Film. Auch Max kam heraus und auch er wollte sofort ein angeregtes Gespräch über den Film führen. Doch da ich das Ende ja ganz offensichtlich verpasst hatte, wurde daraus nichts, was ihn tierisch aufregte. Er drückte mir das Popcorn mit der Käsesoße beleidigt in die Hand.

Er: Boah Helen. Was gehe ich denn bitte mit Dir ins Kino, wenn Du den Film noch nicht mal zu Ende guckst?
Ich: Entschuldigung, ich musste Lulu.
Er: Ist doch gar nicht wahr. Du hast Dir eine Kippe angemacht. Ohne das Ende gesehen zu haben, kannst Du den Film doch gar nicht beurteilen. Es war so gut und so unvorhergesehen, weil.....

Da hörte ich schon gar nicht mehr zu. Meine Gedanken schweiften ab. Dahin, dass ich diesen Mann großartig fand. Normalerweise war ich immer diejenige gewesen, die über Serien und Filme philosophiert. Doch jetzt hatte ich jemanden an meiner Seite, der ebenso viel darüber sprach wie ich. Das machte mich fröhlich. Seine wilde Gestik machte mich fröhlich. Es machte mich fröhlich, dass es mich fröhlich machte.
Ich küsste ihn. Er hörte auf zu plappern, legte den Arm um mich und wir gingen wortlos die Straße entlang.


Letzten Samstag passierte dann das unvorstellbar Peinliche. Ich sah ihn in der Stadt mit einem anderen Mädchen. Sie war süß, klein und blond. Verena, wie ich später herausfand. Verena war seine Freundin, wie ich später herausfand. So stand es zumindest bei Facebook, wie ich später herausfand. Verunsichert, mit wem er durch die Stadt laufen könnte, stalkte ich ihn nämlich auf sämtlichen Social Media Kanälen, die ich zuvor gefastet hatte.  Apps vom Handy gelöscht und versucht eine Zeit lang, ohne den Online Mist auszukommen, Da es mich aber irritierte, wer dieses Mädchen war, musste ich mir mal ein Bild von seiner Präsenz im Internet machen.
Bei meinem Glück und meiner unvorstellbaren Menschenkenntnis war klar, dass ich mir jemanden aussuchte, an dem irgendetwas nicht stimmte.
In einer Beziehung mit Ve Rena.
Ja vielen Dank. Tschüss, schönes Leben noch! Lösch' meine Nummer.
Es machte mich wütend, dass er mich anlog. Es machte mich wütend, dass er eine Freundin hatte. Es machte mich wütend, dass es mich wütend machte. Dachte ich.


Was ich dann machte, war noch viel dümmer als ihm vertraut zu haben. Denn ich wollte mir noch einmal seine Freundin und ihn auf dem Profilbild anschauen. Und wie sich das so mit diesen Smartphones gehört, tippt man zweimal auf den Bildschirm. Leider begriff ich aber nicht, dass Safari anders funktioniert als die Facebook App. Anstatt es zu vergrößern, markierte ich ausversehen jemandem auf dem Bild, und zwar niemanden geringeren als mich selbst. Ich markierte mich selbst auf seinem Profilbild. Völlig unabsichtlich. Einfach so. Ohne die Möglichkeit zu haben, es rückgängig zu machen. Ja, was soll ich sagen.

Komisch, dass ich seither nichts mehr von ihm gehört habe.