Eigentlich stehe ich nicht so auf Uniformen. Den Reiz dahinter verstehe ich schon, jedoch habe ich in den letzten Jahren meiner sexuellen Aktivität keine Neigung in diese Richtung entwickelt. Bis gestern.
Kölner Karneval, also eine legitime Eskalation, forderte seine Opfer. Entweder im Schlafzimmer, der leer gesoffenen Studentenwgs oder im Vollsuffkoma wo auch immer. Deshalb kam es auch dazu, dass ich plötzlich mutterseelenallein in der Kneipe stand und Freunde suchte. Bekannte wie unbekannte. Mein Erfolg war dabei mäßig. Ziel Nummer eins, einen witzigen Abend mit Freunden zu verbringen und unser Gruppenkostüm als Zirkusdirektorinnen mit Stolz und Charme auszuführen, war kläglich gescheitert. Der letzte Funke Gute Laune sollte noch etwa 15 Minuten halten, bevor ich frustriert nach Hause gehen wollte.
Also beschloss ich, Ziel zwei in die Tat umzusetzen: Verhaftet zu werden. Nur wollte ich natürlich nichts Schlimmes anstellen, um am Ende Handschellen angelegt zu bekommen - versteht sich. In meiner Misere, den Abend zu einem grandiosen Ende zu bringen, blieb mir lediglich eine Option: Nett fragen. Ein Moment der Peinlichkeit konnte keinesfalls entstehen, da ich ja eh schon lattenstramm war und die Schwelle des unangenehmen Gefühls nicht mehr zu spüren war.
"Hallo Jungs, ich habe ein Anliegen. Könnt Ihr mich verhaften?"
Stille. Gefolgt von Gelächter.
"Wieso?"
"Das ist mein Ziel für heute Abend. Aber ich will nichts Schlimmes anstellen. Also könnt Ihr mir die Handschellen auf der Motorhaube anlegen und einer vielleicht ein Foto machen? Sonst glaubt mir das ja nachher keiner."
"Ich frag mal den Chef."
Die Polizei dein Freund und Helfer. Motorhaube war wegen der ganzen feierwütigen Kaninchen, Piraten und sexy Krankenschwestern nicht möglich. Aber so durfte ich tatsächlich neben Schlagstöcken und Uniformen im Polizeiauto sitzen, während sich die Jungs darüber begeierten, dass mir einer von ihnen Handschellen anlegte. Läuft bei mir.
Doch nicht nur mein Ziel Nummer Zwei wurde so erreicht, sondern auch Ziel Eins. Den Rest des Abends verbrachte ich mit den in voller Montur gekleideten Policemen. Wir quatschten über Maulwürfe, Polizistensöhne und hundert andere Themen. Verabredeten uns immer für den nächsten Treffpunkt, wenn die arbeitenden Männer den Standort wechseln mussten. Sie stalkten mich auf Facebook und ich lud sie zur Pinkelpause in meiner Wohnung ein. So eine verrückte wie auch lässige Situation habe ich lange nicht mehr erlebt. Gerade weil, die sonst so ernsten Beamten, mir nun auf einer freundschaftlichen Ebene begegneten und dabei gleichsam distanziert und verantwortungsbewusst blieben.
Als ich später mein Bier auf einem Stromkasten abstellte, um mir, auch das noch, eine Zigarette anzuzünden, passierte es. Ich stand mit fünf Polizisten im Kreis und redete fröhlich vor mich hin. Nachdem der Glimmstängel brannte und ich mich wieder zu meinem Bier umdrehte, war es weg. Während ich, um das noch einmal deutlich zu machen, mit fünf Polizisten im Dienst im Kreis stand, klaute mir jemand hinter meinem Rücken mein Bier. #andieserStelleeineBetonungspause. Da waren die Männer in Grün wohl doch nicht so verantwortungsbewusst. Dafür aber um so fürsorglicher. Eine gestrandete, alleingelassene Dompteurin wurde von den Uniformierten liebevoll aufgenommen und retteten somit ihren Abend. Seitdem habe ich Polizei und wünschte ich dürfte die Uniform mal mit nach Hause nehmen.
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