Man ahnt es ja nicht, wodurch sich manche Menschen definieren: Autos, ihre Bankkonten, Tattoos - wobei egal ist, ob sie schäbig sind oder nicht, und wie sollte es auch anders sein, durch ihren Beruf. Ich gehöre zu der letzten Kategorie. Wenn Menschen ihre Passion in ihrem Job finden, finde ich das eine ganz tolle Sache. Mein großes Lebensziel nebenbei erwähnt. Für mich wäre es das aller Größte, morgens aufzustehen und automatisch zu denken: "Geil. Es ist halb 6 und ich hab richtig Bock, auf die Arbeit zu gehen." So ganz ohne Ironie. Wenn aus halb 6 dann noch 10 Uhr 30 wird, noch besser. In seiner Tätigkeit aufzugehen und somit glücklich zu sein, macht es auch vollkommen irrelevant, was man beruflich macht. Früher hatte ich den heute nicht mehr nachvollziehbaren Berufswunsch, Müllmann, reitende Polizistin oder Notar zu werden. Damit wäre ich heute zwar total unglücklich, aber hey wem's gefällt.
Es wäre hier aber kein Hasssharing, wenn mir da nicht doch noch etwas auf den Sack gehen würde. In diesem Fall sind es Menschen, die ihren Job nur machen, um anderen Leuten zu imponieren. Personen, die nicht aus dem eigenen Antrieb heraus eine Laufbahn einschlagen, sondern nur um cool zu sein, kann ich gar nicht haben.
Mag ja sein, dass das eine Zeit lang gut geht, dass die Leute Dich feiern, weil Du "Irgendwas mit Medien" machst. Spätestens nach dem ersten Jahr gehst Du damit noch nur Dir und den Leuten in Deinem Umfeld auf die Nerven, weil Du immer wieder erklären musst, was Du da eigentlich genau machst. Kann einer Bankangestellten nicht passieren. Du musst aber immer wieder sagen, was Deine Aufgaben in der Redaktion eigentlich sind oder wozu ein Produktionskoordinator zuständig ist. Kann ja auch niemand einen genauen Plan von Deiner Tätigkeit haben - am wenigsten Du selbst. Außerdem ist auch irgendwann das zwanzigste Selfie vom Set langweilig.
NICHT COOL!
Mit 17 macht es Deine halbe Stufe, mit 22 noch drei Leute aus Deinem Bekanntenkreis. In der Phase des Erwachsenwerdens wurde es irgendwann echt so richtig trendy, sich mit Musik zu beschäftigen und auf Partys selbst aufzulegen. Die Redundanz an neugeborenen "DJs" tat dem Coolnessfaktor keinen Abbruch. Allerdings sieht das einige Jahre später ganz anders aus. Wenn aus Dir nach all der Zeit, die Du Dich mit aufregenden Elektrobeats beschäftigt hast, noch kein David Ghetto geworden ist, ist das natürlich legitim. Auch dass Du noch nicht freiwillig taub geworden bist, bei all dem Lärm, kann als bemerkenswert angesehen werden. Aber entschuldige mich, wenn ich Dir sage, dass es einfach nicht cool ist, immer an Wochenenden und Special Occasions arbeiten zu müssen. Sich mit Mitte vierzig in irgendwelchen Kneipen die besoffenen Helene Fischer Wünsche reinziehen zu müssen, während nicht DJs am Wochenende auch einfach mal einen Ruhigen machen, kann man sich einfach sparen. So hip Du nun auch in Deiner Jugend hinter den Plattentellern warst, irgendwann bist Du einfach zu alt für den Scheiß.
NICHT COOL!
Zu alt für den Scheiß, bist Du übrigens auch irgendwann als Barkeeper. Entweder Dir gehört irgendwann die Bar oder es ist einfach nicht cool. Im Alter, in dem Du irgendwann Geräusche beim Aufstehen und Hinsetzen machst, solltest Du nicht mehr die Flasche schwingend Highlife hinter der Theke verkörpern. Das muss einem ja auch Selbst mal auffallen. Spätestens wenn Dir der 28. Kreisliga Fußballstar nach der Aufstiegsfeier auf die Theke reihert, sollte der Schalter im Kopf umlegen, der Dir klarmacht: Alter, nicht cool! An seinen Wochenenden mit lauter Anfang zwanzigjährigen abhängen, die auf ihre bestandene Hausarbeit im Modul B2 ihres Germanistikstudiums anstoßen, kann doch einfach nicht Dein Lebensinhalt sein. Koksen, weil man es eben gewohnt ist und Shots kippen, weil man es sonst nicht aushält. So sieht die Wahrheit Deines Berufes aus. Man mag Dich noch für Deine Lässigkeit hinter dem Tresen und Deinem gute Laune Potenzial feiern. Wenn das Highlight Deiner Woche aber irgendwann ist, Partyfotos auf Timelines von Menschen, die 20 Jahre jünger sind als Du, zu posten, merkst Du es selbst:
NICHT COOL!
Zu guter Letzt mein Hassberuf Nummer eins. Da ist es egal, ob man ihn macht, weil es einem Spaß macht oder wegen der Ausübung der Macht, die man dabei empfindet. "Ihr seid alles Fotzen", würde KIZ tendenziell singen, hätten sie die Gedanken, die ich empfinde, wenn ich über diese Berufsgruppe nachdenke.
Politessen.
Vielleicht bin ich durch das Erhalten von 19 Knöllchen alleine in diesem Jahr voreingenommen. Vielleicht bin ich es ja auch ein bisschen selber schuld.
Vielleicht bin ich auch die Dumme in dieser diffizilen Fragestellung von Recht und Unrecht. Aber für mich steht fest: Ihr seid nicht cool. Nicht cool Eure Blöcke. Nicht cool Eure Beweisfotos. Nicht cool Eure Uniform. Nicht cool eure Attitüde. Nicht cool, dass ihr niemals in der Lage seid, ein Auge zuzudrücken.
NICHT COOL!
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