Sonntag, 17. Januar 2016

Lass ma' ans Meer fahren!

Ich kann nicht mehr schlafen, ich kann nicht mehr essen, ich kann nicht aufhören zu lächeln. 
Die Schockverliebtheit hat erneut zugeschlagen. Big Time!
Unentwegt muss ich an diesen einen Mann denken, obwohl alles dagegen spricht. Dennoch schwirrt in meinem Kopf immer wieder sein hübscher Mund herum, der mich mit seinen völlig sinnlosen Witzen zum Lachen bringt. So sehr, wie es noch niemand zuvor geschafft hat. 
Immer wieder empfinde ich, dieses Innerliche im Kreis hüpfen, wenn ich daran denke, wie er mir ganz nah kommt und sich unsere Nasen berühren. Ganz selbstverständlich drücke ich die melancholischen Lieder aus meiner Lieblingsliederplaylist weiter, wenn, wie aus dem nichts, seine Augen, Hände und auch seine Michael Jackson Imitation aus dem Erinnerungszentrum meines Gehirns vorschlüpfen und erneut real werden. 

Das halte ich nicht aus! Erfolglos versuche ich diese mir jugendlich vorkommende Gefühlseskalation zu unterdrücken: "Beruhig dich mal Helen. Du bist keine 14" 

Vor wenigen Tagen habe ich noch von der Schockverliebtheit gesprochen. Mir war es wichtig, diese eigene Wortkreation zu erklären, um selbst auch zu verstehen, was da jedes Mal passiert in meinem kleinen verrückten Köpfchen. Und jetzt, wo es schon wieder passiert ist, verstehe ich es selbst nicht mehr. Vielleicht kann mir der ein oder andere hier ja erklären, wieso in mir drin die pubertierende Mittelstufen Elli wieder ausgebrochen ist. 
Deshalb nun, für alle, die noch nicht vor lauter Gesülzüberdosis kotzen gegangen sind, der Vorfall, der zu meinem Dilemma führte: 

Ort: Club Eingang 
Zeit: 23 Uhr 

Track: Sooft gefragt - Annen May Kantereit 


Die wild gewordenen Weiber sind schon wieder im Stammclub. Der Türsteher fragt, warum wir eigentlich noch keinen Schlüssel vom Laden haben, weil wir ihnen die Arbeit des Aufschließens abnehmen könnten, wenn wir eh immer da sind. Haha. 
Der Dj spielt unser Lieblingslied und trotz des ruhigen Songs ist unsere Stimmung großartig. Auch trotz meiner Alkoholpause, die ich immer mal wieder einlege, werde ich in den Sog der Partyszene inmitten der schwitzenden Leute hineingezogen und vorerst nicht mehr losgelassen. 

Ort: Club an der Theke 
Zeit: 0 Uhr 

Track: No Diggity - Blackstreet 


Ein paar Bekannte kommen dazu inklusive der Hauptperson dieses Dramas - Riko. 
Hallo und herzlich willkommen in dieser Erlebnisgastronomie. 

"Hey wie geht's Dir? Geht's Dir gut?" 

Er scheint sich also wirklich zu interessieren, wie es mir geht. 
Wir kommen ins Gespräch, was weder ihn noch mich wundert, da wir uns schon seit 3 Jahren kennen. Bisher hatte er immer eine Freundin und mein Exfreund war ein sehr guter Freund von ihm. Nach einigen abgegrasten Themen gibt er mir grinsend den Ehrentitel "sympathische Frau" und ich erwidere sein Interesse, indem ich ganz galant und - um das noch einmal klarzumachen - nüchtern seine Schulter berühre. 
Das hatte ich nämlich mal im Fernsehen gelernt, dass das ein klares Zeichen für einen Flirt ist. #flirtprogamer 
Er versteht es auch so und nimmt meine Hände und tanzt drauf los. Dazu lasse ich alte Dancing Queen mich nicht zweimal auffordern und schwinge ebenfalls meine Hüften. Mal tanzen wir Becken an Becken mal drehe ich eine Runde um ihn herum. Wir berühren uns, wir lachen und der Fotograf macht ein Bild.

Neeeeeeeeeeein! Das ist die erste Regel bei uns im Freundeskreis: bloß keine Fotos im Club, das kann nur peinlich werden! 

Und das müssen peinliche Bilder sein. Er steht mit seinem Körper in Richtung Kamera, hält meine Hände fest, mein Kopf hinter ihm stehend auf seiner Schulter. Lachend. So sehr lachend, wie man es sich nur vorstellen kann. In diesem Moment kam der Blitz der Kamera. Man kann es mit dem Gefühl vergleichen, wenn man mit 32kmh zu schnell durch die geschlossene Ortschaft fährt und zack der hinterlistig aufgestellte Blitzer erwischt einen. Unnötig! 
So hinterlistig machte auch der Fotograf seine Bilder. 
Tja Helen. Pech gehabt. Regel 1 gebrochen. 

Nachdem wir anschließend Händchen haltend in der Ecke standen und in der Gruppe dank Nichtraucherschutzgesetz vor der Tür rauchen waren, kam der nächste Höhepunkt in diesem Stück. 

Ort: Club Dancefloor 
Uhr: Viertel vor 3 
Lied: Purpartyhitmix 

Eine riesen Abneigung habe ich gegen dieses Lied. Nicht grundsätzlich kann ich bezeugen, denn mit 11 Jahren war ich auch schon einmal auf einem Pur Konzert. Aber dieser Remix ist so unnötig lang und mit den Jahren unfassbar totgehört. Zeit sich zu weigern zu tanzen. 
Pff, denkste. Riko hat ganz andere Pläne. Witze machend zieht er mich zu sich. "Da sag ich doch nicht Nein, wenn Du mich zum Tanzen aufforderst" - lacht er. 
Eins a Michael Jackson Imitation seinerseits- eins a Ballerina Künste meinerseits. Uns beiden ist wie gewohnt nichts peinlich, auch wenn all unsere Freunde zuschauen und der Fotograf weiterhin mit seinem Schnappschussgerät umher schleicht. 

Nach gefühlten 35 Minuten ist der ultimativ geile Hitmix dann auch mal vorbei. Gott sei Dank. 
Wir hangeln uns von Lied zu Lied und von Anekdote zu Anekdote. Ich lache die ganze Zeit über seine Geschichten. Es sei denn, wir hören der Musik zu, dann grinse ich. 
"Ich mag es, wenn Du über meine Witze lachst."

Ort: Club - Dancefloor - vor dem Dj Pult
Zeit: 4 Uhr 

Track: Hula Hoop - Omi 


Dass all unsere Freunde schon nach Hause gegangen sind, merken wir nicht. In unserem Liebeskasperfilm will uns vermutlich keiner stören. Bis auf zwei von ihnen, die knutschen selbst um die Ecke des Clubs rum. Unauffällig, damit es niemand merkt. 

Hula Hula Hoop- mit kreisenden Bewegungen kommen wir uns immer näher. Nase an Nase. Eine Stunde lang. Locker. 
Wir küssen uns nicht. Genießen nur den Moment kurz davor.
Warum? Vielleicht weil ich nüchtern bin, mein Exfreund sein guter Freund ist oder mir sein Beziehungsstatus nicht ganz klar ist oder weiß Gott, warum der Junge das nicht macht! 

"Ich will Euch knutschen sehen!" 
Dj Hugo ist heute ein ganz lustiger. 
"Jeder sollte jetzt seinen Kusspartner festhalten, denn hier ist gleich Feierabend"
grölt er ins Mikro. 

Ort: See 
Zeit: 6 Uhr 
Track: Prayer in C - Robin Schulz


Huch wie sind wir denn da gelandet? Erzähle ich Euch. 
Ich nüchtern. Ergo Fahrerin. Ergo ich bring die Bande nach Hause. Klar kommt da einer auf die Idee noch ein Feierabendbier zu trinken und klar hat da nichts mehr offen außer die Tanke um die Ecke. 
Aus dem Witz "Lass ma ans Meer fahren" wird der See, wo Riko und ich nun auf der einen und die zwei knutschenden Vögel auf der anderen Bank sitzen. 

Erinnert Ihr Euch an die ersten Mädchen und Jungspartys, wenn man ganz beschämt auf der kalten Ledercouch im Partykeller der Eltern sitzt, Cola trinkt und die neue Bravo Hits 95 hört, während die anderen schon Softpetting auf dem Sitzsack nebendran betreiben? So war's. 

Bis zu diesem Lied. Er küsst mich. Er kann küssen. Ach was sag ich? Riko ist ein großartiger Küsser. Wenig Zunge, weiche Lippen, sehr gefühlvoll. Bäm kusskompatibel. Als er seine Hand an mein Gesicht legt und über meinen Hals streicht, setzt mein nüchterner Verstand vollständig aus. Anstelle von Vernunft und Rationalität tritt die Schockverliebtheit. 
Wir reden über die Arbeit. Ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Er erzählt von den Streichen, die er seiner Arbeitskollegin spielt. Mir kommen die Tränen so sehr begeiere ich mich. 

Ort: mein Bett 
Zeit: halb 9

Track: Dont wait - Mapei 


Seither kann ich nicht mehr klar denken. Ständig blitzen Erinnerungen an sein Lachen auf. An die Musik, die uns an dem Abend begleitete. An die Sternschnuppe, die ich vor unserem Kuss am Himmel sah. An die Eiseskälte, die uns völlig egal war. 
Bei jeder einzelnen Erinnerung könnte ich heftigen Brechreiz kriegen. Diesen Kitsch und diese pseudo Romantik ertrage ich nicht. Und trotzdem klopft mein Herz, wenn ich mir selber diese Geschichte im Kopf erzähle. Immer und immer wieder. Ich fühle mich, obwohl ich es zu verhindern versuche, wie ein frisch verknallter Teenie.
Das muss aufhören!

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